Iain M. Banks - Die Sphären: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Die Sphären

(2008) - Orig.: Matter (2008), engl.
Die "Kultur" langweilt sich
"Matter" macht es schwierig, sich an eine der Maximem des Rezensierens zu halten, nämlich nicht zu vergleichen mit anderen Werken - auch nicht denen desselben Autors -, sondern das Werk für sich zu beurteilen.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 04.03.2008

Für den unbedarften Banks-Leser wird diese Buchbesprechung hoffentlich ermunternd sein, wenngleich ernüchternd bezüglich besprochenem Werk. Für den eingefleischten Banks-Fan wird sie eine Information sein, der Wehmut folgt.
Banks galt in den Neunzigern, den zeitlichen Verzögerungen der deutschen Ausgaben geschuldet bis in die Nuller-Jahre hinein, als ein Erneuerer und Ideengeber der SF. Insbesondere dem Genre der „Space Opera“ hatte er mit einigen Werken frischen Wind eingehaucht. Übrigens: Banks hat einen enormen Output an nicht-science-fiction Prosa, die er unter dem Namen Iain Banks, also ohne „M.“ in der Mitte, veröffentlicht. Das sind tolle Romane, die gerade in seiner britischen Heimat große Aufnahme finden.

Zurück zur SF: Neben den technischen Gimmicks, Welten mit uns absurd erscheinenden Lebensbedingungen und noch absurderen Lebensformen, gibt es eine Art von politischem Subkontext in allen Banks-Romanen. Es geht immer wieder um die Frage, ob offene oder geheime politische Einflußnahme eines vermeintlich rechtschaffenden Staatsgebildes auf die Bananenrepublik, einen zerfallenden Staat oder, im moderneren Sprachgebrauch, auf den „Schurkenstaat“, wirklich rechtschaffen sein kann oder a priori verwerflich ist. Anreiz zu dieser Fragestellung hatte Banks zu Anfang der Neunziger genug: Der Zweite Golfkrieg - wir erinnern uns: Bush senior und General Schwarzkopf jagen die Iraker wieder aus Kuwait heraus - und kaum später das Fanal zum Ende des langen Friedens in Europa mit den Kriegen in Ex-Jugoslawien. Gerade letztere machten klar, das Standpunkte gewonnen werden mußten. Das Jahrhundert der Genozide, das Zwanzigste, sollte nicht noch zum Abschluß diesem Namen Ehre machen dürfen.

Banks läßt den Großteil seiner SF-Romane im Dunstkreis der „Kultur“ spielen, schon das ein Beispiel für seinen Wortwitz: Allein die Namensgebung läßt keinen Zweifel offen, wer sich hier als die Guten betrachtet. Die „Kultur“ ist eine millionenalte Wertegemeinschaft verschiedener Rassen der Galaxie und der gewichtigen, teilweise ebenso uralten, meist verschrobenen oder exzentrischen Künstlichen Intelligenzen, den „Gehirnen“ (minds im Orig.). Nebenbei: Diese KIs sind supermobil, hausen meist in gigantischen und gigantisch schnellen Raumschiffen und sind im Gegensatz zu Fleisch nahezu unempfindlich auf g-Kräfte. Das heißt, sie schaffen die Haupt-Action in Banks-Romanen, davon reichlich und sympathisch.
Demgegenüber taucht Banks gerne in sehr archaische Gesellschaften ein und schwelgt in shakespearescher Weise in höfischen Intrigen, dunklen Machenschaften und in dem, was Politik aus Menschen macht. Hier springt die „Kultur“ in die Bresche. Sie versucht mit minimalem Personalaufwand und sublimem Technologieeinsatz ganze Planeten soziologisch in die richtige Bahn zu hieven. All das soll keinen Bruch in der Historie der betroffenen Völker erzeugen. Unterwegs ist der Leser meist mit einem Agenten oder Agentin der „Special Circumstances“.

So auch in „Matter“. Nur diesesmal wirkt Banks ausgelaugt und gelangweilt von seinem eigenen geschaffenen Kosmos. Mühsam leiert er für den noch nicht mit der „Kultur“ vertrauten Leser deren Funktionieren, Errungenschaften und Werte herunter ohne dies mit seiner sonst gewohnten Leichtfüßigkeit ins Geschehen einzubetten. Die Geschichte kommt nicht in Fahrt, auch gegen Ende nicht, als er dies mit allzu aufgeplusterten Welten-Beschreibungen und überhart endenden Schicksalen der Protagonisten versucht. Die Wirkung des letzteren verpufft, denn man hatte seine Figuren zuvor nicht lieb gewonnen. Die Vertreter der archaischen Welt sind ach zu tumb angelegt, die Agentin bleibt gesichtslos und leider auch die KIs in ihren diversen Formen geben dieses Mal nichts zu lachen.

Die von einer verschwundenen Macht hinterlassenen „Schalenwelten“ dienen als Metapher für unterschiedlich fortgeschrittene Gesellschaftsstufen. Je weiter innerhalb eines solchen Gebildes, desto mehr muß sich die dort ansässige Rasse von über ihr stehenden Gesellschaften gesteuert und überwacht fühlen, ja sogar als Experimentierfeld und Marionette betrachtet fühlen. Dessen nicht genug, weiß der Leser, dass mehrere konkurrierende Mächte den gleichen Spielball haben können und als Exzess gar Kriege anzetteln und steuern - nicht aus Machttrieb, sondern weil sie sich selber auf einer hohen friedlichen Entwicklungsstufe wähnen, die auf galaktischer Ebene keine Kriege mehr billigen würde, was ihnen aber nicht ihre Boshaftigkeit nimmt: Sie tuen es aus reinem Zeitvertreib!

Das ist an sich eine vielversprechende Anlage, die jedoch an der Oberfläche bleibt und zusammen mit beschriebenen Mängeln zur Empfehlung führt, mit früheren Arbeiten Banks ' in die „Kultur“-Welt einzutauchen.

Besprochene Ausgabe: Orbit (engl.) | 2008

      
 
 
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