Wieder entdeckt!
Das Elend in der Melchiorgasse ist allumfassend: Alle, die es schaffen, aus dieser freudlosen Gasse herauszukommen, kehren ausgebrannt und todkrank doch wieder dahin zurück. Bettauer führt uns in diesem „Roman aus unseren Tagen“ eine Gesellschaft vor Augen, die von unersättlicher Besitzgier und grenzenloser Menschenverachtung geprägt ist!
Gier, Laster, Mord und Verderben. Ein Wiener Sittenbild aus der Feder von Hugo Bettauer, dem Autor von „Stadt ohne Juden“.
G.W. Pabst verfilmte „Die freudlose Gasse“ 1925 mit Greta Garbo, Asta Nielsen und Werner Kraus in den Hauptrollen.
Textprobe:
„Von einem abscheulichen Kerl ist ja keine Rede, Fräulein Grete! Ich denk’ an einen feschen, eleganten
Herren, der Ihnen gefallen wird. Und Sie brauchen sich ja nichts zu vergeben, gar nichts! Die Männer von heutzutag sind ja gar nicht so, daß sie gleich alles wollen. Wenn Sie gescheit sind, dann halten Sie ihn hin, so lange es Ihnen paßt. Ich kenn’ einen feinen Herrn, einen schönen, stattlichen Mann, er heißt Löhner und ist furchtbar reich. Wenn Sie den richtig zu behandeln verstehen, so können Sie Millionen, Schmuck, Perlen, Kleider von ihm haben – was Sie wollen. Verlassen Sie sich nur auf mich, Fräulein Grete, ich wer’ Ihr Glück schon machen. Wenn ich das nicht genau wüßt, hätt’ ich doch nicht das viele Geld für die Kleider kreditiert. Ich bin ja selbst eine arme Frau und muß schauen, daß ich zu meinem Geld komm’.“
Aus den Pfoten der Katze, die eben noch geschmeichelt und gestreichelt hatte, fühlte Grete die Krallen auftauchen. Zitterndes Angstgefühl bemächtige sich ihrer und doch auch wieder der Wille zum Leben. Millionen, Kleider, Juwelen – und das alles vielleicht nur für einen flüchtigen Kuß, an dem ihr Herz nicht beteiligt sein würde. Pah, das konnte man riskieren, das wusch man wieder mit Seife und Wasser ab, wie einen Rußfleck!
Die Türglocke hatte geläutet und nun kam Fräulein Henriette mit zwei eleganten jungen Damen herein. Die eine, eine wahrhaft junonische brünette Erscheinung, die andere klein und zierlich wie eine Puppe. Beide trugen Pelzmäntel, die sie jetzt ablegten. Stark dekolletierte Abendkleider und viel Schmuck kamen zum Vorschein. Frau Greifer stellte vor: „Fräulein Lona und das kleine Fräulein Gisis. Das ist Fräulein Grete, die jetzt schweren Kummer hat. Ich wer’ ihr schon helfen, auf mich kann man sich verlasen, was, meine Damen?“
1925 wurde Bettauer in seinem Büro in der Lange Gasse in Wien-Josefstadt von einem illegalen NSDAP-Mitglied erschossen.
Hallie Ephron:
Angst ist dein Tod
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Die Sorgen der Killer - Crime Stories
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