23.11.2017   Rezension, Buchbesprechung, Buchkritik   Literatur, Buch, Kritik         Gudrún Eva Mínervudóttir - Der Schöpfer: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
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- Der Schöpfer

(2011) - Orig.: Skaparinn (2008), isländisch
Honey-Golden Susie
Silikon-Sexpuppen wiegen erstaunlicherweise soviel wie ihre fleischlichen Vorbilder. Bei Gudrún Eva Mínervudóttir bewirkt eine sogar einiges mehr als Triebabfuhr zwischen dem zynischen Puppenhersteller und Ex-Künstler und einer Frau, die in seiner Werkstatt strandet.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 07.09.2011
Gudrún Eva Mínervudóttir - Der Schöpfer
Zoom Gudrún Eva Mínervudóttir - Der Schöpfer

Reifenpanne mitten in der Pampa ist der Klassiker, um Geschichten zu starten, in deren Verlauf der Fahrer auf Eingeborene nicht ganz koscheren oder gar gefährlichen Charakters trifft. In "Der Schöpfer" liegt diese Pampa ein paar Autostunden von Reykjavík entfernt. Spannend bleibt das Buch bis zum Ende allemal, doch das als Charakterstudie zweier einsamer, eigenwilliger Menschen und nicht als Thriller. Sie bespiegeln sich gegenseitig, und Gudrún Eva Mínervudóttir gibt das in einer Art fluktuierenden Erzählweise wieder, indem sie Eigensicht und Außensicht des jeweils anderen ihrer beiden Hauptfiguren abwechselt. Vor denen hat die Autorin großen Respekt, gestaltet sie mit großer Liebe und mit Hilfe ihrer tiefen Menschenkenntnis.

Dieser Respekt beinhaltet, dass das Tun von 'Sveinn', dem Puppenmacher, nicht groß hinterfragt wird. Drohungen und Schmähungen kriegt er nur von Seiten seiner ländlichen Nachbarschaft. Autorin Mínervudóttir erklärt nur lakonisch, wie Sveinn kurz nach dem Abschluss des Kunststudiums zu seinem Job gekommen ist. Sie interessiert vielmehr die selbstgewählte Isolation, sowohl die räumliche als auch die menschliche, und wie sowas kommt und wie so jemand ist - und wie er auf andere wirkt. Und den Beruf scheint sie gründlich recherchiert zu haben. Da ist nichts Schmieriges, wenn sie Details der Herstellung beschreibt; selbst die Info, dass Sveinn seine Werke an und wann selber benutzen muss, um die Passform der Vaginas zu testen, hat nichts Groteskes oder gar Klamaukiges.

Alleinerziehende Mutter und Werberin aus Reykjavík 'Loa' ist denn auch nur einige Sekunden perplex, als sie nach durchzechtem Abend und Nacht auf dem Sofa von Sveinn auf der Suche nach der Toilette in die Werkstatt torkelt. Dass es Loa auch nicht leicht hat, merkte Sveinn schon an ihrer Erschöpfung und ihrem Alkoholkonsum. Obwohl der Reifen repariert war, war sie eingeschlafen. Noch schlaftrunken steht sie nun vor einer Reihe noch kopfloser, zum Trocknen aufgehängter Sexpuppen. Schnappt sich eine, eine schöne, die schon fertig zum Transport ist, und schleift und wuchtet sie in ihren Kofferraum. Und fährt davon. Wahrscheinlich hat sie eine vollbusige "Raven-Black Lola" erwischt.

Es ist egal, ob man Figuren in einem Aki Kaurismäki-Film oder etwa die der seelenverwandten Schreiberin Gudrún Eva Mínervudóttir für lebensecht hält oder nicht. Denn sie sollen womöglich Kunstfiguren sein, an denen Exemplarisches der Menschennatur herausgegriffen und überhöht wird. Ein Kondensat, das sich umso intensiver um seine Ingredienzien kümmern kann.
Bei Loa ist es die Verzweiflung, die zu jedem Mittel greifen lässt. Der antriebslose Sveinn, muss von einem der wenigen ihm nicht feindlich gesinnten Einwohner getriezt werden, dem Geheimnis dieser Frau nachzugehen. Beim Zusammentreffen und in seinem Nachwirken werden sich Fragen auftürmen aber auch Knoten lösen. Ob sich Sveinn vorstellen kann auf die überproportional wachsende Nachfrage nach männlichen Puppen zu reagieren und seine Firma endlich in großem Stil aufziehn soll, ist dabei nur die geschäftliche Seite ...

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Besprochene Ausgabe: btb  |  2011  |  304 Seiten  |  Festeinband*  |  € 19,99

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