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Gonçalo M. Tavares - Joseph Walsers Maschine: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur
 

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- Joseph Walsers Maschine

(2014) - Orig.: A máquina de Joseph Walser (2003), portugiesisch
Der portugiesische Bartleby
Gonçalo M. Tavares bezweifelt komplett unsere Wahlfreiheit, ob zu Zeiten des Totalitarismus oder zu anderen.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 28.04.2014
Gonçalo M. Tavares - Joseph Walsers Maschine
Zoom Gonçalo M. Tavares - Joseph Walsers Maschine

Der Staat ist namenlos. Die Ereignisse scheinen im Zwanzigsten Jahrhundert angesiedelt. Die Fabrik und die Maschinen bestimmen das Sein der Figuren. Und es geht um den Maschinenbediener 'Joseph Walser', von dem wir wenig in der Wörtlichen Rede hören werden, denn er ist ein passiver, stiller Mensch, mit dem unspektakulären Hobby, Metallteile zu sammeln und der Gewohnheit, samstags mit Kollegen Karten zu spielen. Da ist schon eher Vorarbeiter 'Klober' Hauptfigur, der mit pseudophilosophischen Redeergüssen nervt - denn Walser erwidert ja nichts.

Klober predigt eine Art Maschinenphilosophie, als wölle er Kindern die Prinzipien des Materialismus erklären. Er scheut sich nicht, des Menschen Glück in Abhängigkeit zur Maschine zu setzen, zur "materiellen Effizienz der Maschinen". Später wird Walser räsonieren, was er sogar am Würfeln, also am Glücksspiel schätzt: die gesetzten Grenzen - zwischen den Zahlen eins und sechs -, das Akzeptieren, außerhalb der Ereignisse zu stehen. Selbst beim Zufall frönen Joseph Walser und sein Erschaffer Gonçalo M. Tavares dem Fatalismus.

Schön ist der zeitenthobene Duktus in "Joseph Walsers Maschine". Da ist nichts einem zeitgeist verpflichtet. Außer Walsers unmoderne verschlissene braune Schuhe, die als Zeichen stehen: der braune Totalitarismus ist nirgends auszurotten, auch in Zukunft nicht, er ist immer irgendwo Zeitgeist. Der namenlose Staat schlittert in einen Bürgerkrieg. Das Leben geht weiter. Die Abrechnungen erfolgen noch im Krieg oder in den Jahren danach ...

Joseph Walser, der nicht mal was unternimmt, als er feststellt, dass seine Frau mit seinem Vorarbeiter schläft, hat erst recht keine Chancen, aus den Mechanismen eines Bürgerkriegs einigermaßen heil rauszukommen. Gonçalo M. Tavares stellt ihn vor eine archetypische Situation: Walser erhält eine Warnung, nicht zu einem Treffen mit Freunden zu gehen, da diese verhaftet werden sollen. Zwei Handlungsmodelle: 1. Er warnt die Freunde. Dann ist er selber dran, da der Tippgeber mit den Mächtigen verbandelt ist. 2. Er geht nicht hin. Dann macht er sich bei den Überlebenden oder deren Verwandten verdächtig. Ein Erbe, das eher zeitversetzt zuschlagen wird.

Diese völlige Prädestinierung hat der Leser fast von Seite eins an im Nacken. Das formal Abstrakte in Gonçalo M. Tavares ' Roman könnte durchaus seinen Reiz haben, würde einem nicht das Diktat der Vorherbestimmung zwischen und auf den Zeilen ständig um die Ohren gehauen. "Unsere Existenz wird überflüssig", lässt Gonçalo M. Tavares seinen Klober sagen. Unbewusste Selbstironie? Denn "Joseph Walsers Maschine" ist nur eine weitere Totalitarismus-Parabel; es gibt bessere und spannendere.

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Besprochene Ausgabe: DVA  |  2014  |  176 Seiten  |  Festeinband*  |  € 19,99

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