Stufe Vier sei mal die gröbste Mahlstufe (von Schrot) bei den Müllern gewesen, lese ich gerade. Vierschröter gab es in den USA der Fünfziger allemal: Da der Beatnik Burroughs, der mal eben seine Frau im Suff erschießt (allerdings in Mexiko), auf der anderen Seite die unsäglichen Fortschrittsgläubler der SF-Literatur, die ein Jahrzehnt lang Frauen mit dicken Titten in engen Raumanzügen auf dem Mond rumspielen lassen. Dann gab es noch irgendwo dazwischen die subversiven SF-Autoren Ray Bradbury („Fahrenheit 451“), Robert Sheckley („Das Millionenspiel“ = Adaption von „The Prize of Peril“) sowie unsere beiden Frederik Pohl und den jung verstorbenen Cyril M. Kornbluth.
Vierschrötig auch die Umsetzung von „Eine Handvoll Venus“. Da sind die Dialogsätze eher kurz, was aber wieder durch den ständigen Inneren Monolog der Hauptfigur aufgefangen wird. Die Ortswechsel geschehen fast so schnell wie durch ein Wurmloch, finden aber doch mit guten, alten Düsenmaschinen statt. Die sind genauso Usus wie die PediCabs, die man auf dem Boden benutzt, infolge Spritknappheit (Coole Idee, wo doch die USA in diesem Jahrzehnt die mit Sicherheit längsten PKWs der Geschichte bauen, mit alleine einem Meter Chrom-Bumpers vorn und hinten).
In einer Mittelstands-Wohnung muss morgens das Bett weggeklappt werden und beim zur Arbeit gehen der Frühstückstisch hochgeklappt werden, sonst kommt man gar nicht zur Tür raus. Die Welt ist überbevölkert, der indische Subkontinent heißt 'Indiastria' und ist ein einziges zusammenhängendes Industriegelände.
Eine weitere Verkürzung ist die Reduzierung der Machtausübung auf die zwei größten Werbeagenturen des Landes. Die Regierung hat nur noch Symbolcharakter.
'Mitchell' ist Texter-Star in einer der Agenturen. Er führt die 'Venus-Kampagne' an. Das heißt, er muss Pioniere gewinnen, dem Verbraucher etwas schmackhaft machen, von dem er genau weiß, es ist 200 Grad heiß, giftig und von 500 km/h schnellen Winden gebeutelt. Lockere Übung für ihn: „Es ist immer leicht, einen Verbraucher davon zu überzeugen, dass das Gras woanders grüner ist.“ Nicht gerechnet hat er mit der Boshaftigkeit der Konkurrenz, wegen der er fast Hopps geht und auf einmal von ganz unten unter falscher Identität mit eigenen Händen greifen muss, wie die Produktionsmittel unter fiesen Umständen vom Gros der 'Verbraucher' hergestellt werden.
Auch noch in dieser Situation gebraucht Mitchell Sätze wie „Mein Gehirn funktionierte reibungslos.“ Das ist der Duktus der Männer der Fünfziger. Über Kriegstraumata wurde bestimmt nicht gegrübelt, man packte einfach an. Zerschellte man dabei, rappelte man sich wieder auf. Es brauchte noch den Korea- und dann den Vietnam-Krieg, bis eine Generation entstand, die dem ewigen Mit dem Kopf durch die Wand Einhalt gebot.
Die synthetischen Hühnchen aus einem der Louis de Funès-Filme sind eine Hommage an dieses Buch. Ebenso hat sich unverkennbar Richard Morgan für „Profit“ (orig. „Market Forces“) einiges abgeguckt. Fans von Frédéric Beigbeder 's „39,90“ (orig. „99 Francs“) dürfte auch Frederik Pohl 's und Cyril M. Kornbluth 's Werk gefallen.
Besprochene Ausgabe: Heyne | 2009
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1. Ben Tripp: Infektion (2011) - Orig.: Rise again (2010), engl.
2. J. L. Bourne: Tagebuch der Apokalypse (2010) - Orig.: Day by day Armageddon (2009), engl.
3. Caragh O'Brien: Die Stadt der verschwundenen Kinder (2011) - Orig.: Birthmarked (2010), engl.
Markus Stromiedel:
Die Kuppel
Droemer, Broschur
John Ringo:
Planetenkrieg – Feindliche Übernahme
Heyne, Broschur
Ian Whates:
Geisterjagd
Heyne, Broschur
Ernest Cline:
Ready Player One
Crown, Festeinband
John M. Cusick:
Girl Parts - Auf Liebe programmiert
Baumhaus, Festeinband
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