23.10.2017   Rezension, Buchbesprechung, Buchkritik   Literatur, Buch, Kritik         Frederik Peeters - Aâma 1: Der Geruch von heißem Staub: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Frederik Peeters - Aâma 1: Der Geruch von heißem Staub: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur
 

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- Aâma 1: Der Geruch von heißem Staub

(2014) - Orig.: Aâma 1: L'Odeur de la Poussière Chaude (2011), französisch
Farben der Roboterträume
Mit einem fulminanten Farben- und Formenschock, einem abgehalfterten Helden und einem fragwürdigen Biotechexperiment startet Frederik Peeters ' preisgekrönte vierbändige Serie "Aâma" in eine ferne Zukunft.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 06.07.2014
Frederik Peeters - Aâma 1: Der Geruch von heißem Staub
Zoom Frederik Peeters - Aâma 1: Der Geruch von heißem Staub

Wie hat unsere Erde im Kambrium gerochen? In einer fernen Zukunft hat der erdähnliche Planet "Ona" gerade in etwa dieses Entwicklungsstadium erreicht. Held 'Verloc' atmet mit Hilfe eines Rachenimplantats zum ersten Mal die leicht giftige Luft: "Mir stieg der Geruch von heißem Staub in die Nase, von Schwefel und Rost. Der Duft des Abenteuers ..." Doch der Leser ahnt, dass seine Geschicke auf Ona sich auch in Richtung eines apokalyptischen Albtraums bewegen könnten ...

Der Rausch des ersten Landganges musste sich für Verloc einstellen. Sein Bruder 'Conrad' fischte ihn kurz zuvor aus der Gosse. Verloc darf seine Partnerin und seine Tochter nicht mehr sehen, hat seinen Buchladen an einen Betrüger verloren und ergeht sich im Drogenrausch auf den untersten Ebenen der futuristischen Stadt "Radiant". Sicher eine Reminiszenz an die "Radiant City" aus dem Comic-Klassiker von Dean Motter mit ihrer die Bewohner beeinflussenden "Psychotektur". Auch dem Thema Buch, ja, die aus Papier, wird in "Aâma" eine wiederkehrende symbolische Bedeutung zukommen.

In unwirklichen satten Farben kommen die Stadt und später Planet Ona daher. Auch die Formen im Raumschiff des Bruders sind mehr als fremdartig. Doch Autor und Zeichner Frederik Peeters zielt damit nicht auf eine schale Psychedelik ab. Vielmehr versetzt er den Betrachter in eine entfernte Zukunft, die zwangsläufig außerhalb unserer Vorstellungskraft liegen wird. Nur eine mögliche Ausformung kann Peeters wiedergeben, seine persönliche. Diesen Zwist, diese Unschärfe in der Interpretation des Zukünftigen lässt er durch Farben und Formen auf den Leser rückkoppeln.

Auf Ona spielt Frederik Peeters im ersten Band "Aâma 1: Der Geruch von heißem Staub" mit dem klassischen unbehaglichen Moitv der schon seit Jahren auf sich allein gestellten Kolonie, einst gegründet durch eine Biotech-Firma. Die beiden Brüder begegnen dort eigenwilligen feindseligen Robotern und einem ebensolchen Rest von sechs exaltierten Bewohnern. Die Psychologie tat nach dem Abriss des Kontakts zur Mutterfirma ihr Übriges: Die Kolonisten spalteten sich in zwei Fraktionen. Die eine pflichtergeben und gewillt, den Auftrag eigenständig weiter zu führen, die andere enttäuscht und trotzig, nur noch auf das eigene Wohlergehen fixiert.

Am beängstigsten ist, dass die leitende Wissenschaftlerin geflüchtet ist, um ihr Lebenswerk zu vollenden: die Arbeit an einer Art nanotechnischer Ursuppe, bestehend aus Picorobotern, die sich eigenständig vernetzen, sich reproduzieren und Materie transformieren. Professorin 'Woland' hat sich abgesetzt, um dieses Zeug - "aâma" - auf den Planeten loszulassen ...

Das ist eine gruselige Vorstellung, angesichts sowieso schon durchdrehender Roboter und einem weiteren verrückten Vorboten: Verloc's Tochter, oder zumindest ein Mädchen, das genauso aussieht, weilt ebenfalls plötzlich auf Ona. Stanislaw Lem's "Solaris" lässt grüßen? Man wird sehen in den weiteren Bänden von Frederik Peeters ' "Aâma", nach diesem fulminanten Einstieg!

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Besprochene Ausgabe: reprodukt  |  2014  |  88 Seiten  |  Broschur*  |  € 20,00

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