François Gantheret - Die verborgene Ordnung der Dinge: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Die verborgene Ordnung der Dinge

(2010) - Orig.: Ferme les yeux (2007), französisch
Paris Tag und Nacht
Verleger 'Jean' begibt sich nach dem Selbstmord seiner Frau in deren Familien-Abgründe. Doch wo was stirbt, beginnt auch etwas Neues.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 17.07.2010

„Die verborgene Ordnung der Dinge“ spielt in durchaus romantischen Ecken von Paris. Hauptfigur Verleger Jean wohnt Boulevard Henri IV, also Stadtmitte, spazieren geht er oft am Jardin des Plantes entlang, und will er zur Arbeit in sein Verlagsbüro, läuft er an der Seine enlang und überquert die Pont du Carrousel. Eine Figur, die neu in sein Leben tritt, wohnt Nähe Metro-Station Bel-Air, schon fast am Stadtrand, aber den gibt es ja sowieso nicht in diesem Städte-Konglomerat, in dem ein Landkarten-Punkt unter vielen Paris heißt. Dort, nah am Bois de Vincennes stößt er in eine nur 50 Meter lange Sackgasse mit zweigeschossigen Häuschen vor.

Jean's Wohnung dagegen ist riesig und umfasst die ganze Etage. Familienbesitz. Der Mittvierziger hatte erst vor vier Jahren die Malerin 'Anne' geheiratet und für sie etwa die Hälfte der Räumlichkeiten in einen Atelierbereich umgebaut. Problem: Anne hat sich gerade umgebracht in eben jenem Atelier. Für Jean ist von nun an seine Umgebung alles andere als schön. Tagelang schafft er es nicht, die Brücke, die ihn zum Büro führt, zu überqueren.

Ein heiterer Frühlingsmorgen liegt über der Stadt, mild und gleichmütig, wie ein zarter Schleier. Die noch tief stehende Sonne fließt mit der Seine, streichelt die Fassade des Louvre, legt einen Tupfer zartes Gelb auf die keimenden Blätter der Uferpappeln.

Sekretärin 'Éva' beginnt er erst jetzt richtig wahrzunehmen, nachdem die ihn wieder etwas ins Leben zurückholt, etwa mit dem Mittel, bei ihrer Tante 'Emma' mit ihm Essen zu gehen. Emma führt ein kleines Restaurant mit nur sieben Tischen und darüber ein Hotel für Dauergäste.

Éva. Eine überraschende Frage, die er sich nie gestellt hat: Wer ist Éva? Wer ist diese grazile Person, was steckt hinter diesem feingeschnittenen, dezent geschminkten Gesicht mit den veilchenblauen Augen? Hat er sie jemals richtig angesehen?

Doch Éva ermittelt auch die Adresse einer Person, die laufend auf dem Handy der verstorbenen Anne anruft, ohne zu sprechen. Verleger Jean schien auch bei seiner toten Ehefrau innerhalb der immerhin vier Jahre kein Interesse gehabt zu haben, ihre Vorgeschichte genauer kennenzulernen. Das wird er jetzt im Eilverfahren nachholen. Die arge Naivität Jean's bleibt das einzige ein wenig zu Artifizielle am Roman François Gantheret 's, der nun als rasantes Psychodrama Fahrt aufnimmt. Es geht um Abhängigkeiten, die durch gemeinsame Erlebnisse in der Familie entstanden sind, ein Reigen von Schuld und Sühne, von Abbitte leisten und von gemeinsamer Rache. Vom Nicht-Verarbeiten und von Selbstzerstörung.

Charmant webt Gantheret in das mitreißende, kaum 200 Seiten lange Buch die Parallelgeschichte von Éva's Tante Emma, die in jungen Jahren stets im Schatten ihrer früh verstorbenen Schwester stand und sich nun trotzdem rührend um die Waise Éva kümmert. Allerdings ist die auch das Einzige, was vom von Emma angehimmelten Schwager übriggeblieben ist...

Behutsam und einfühlsam geht der gelernte Psychoanalytiker François Gantheret mit seinen Figuren um, und dem Leser bietet er in der stückweisen Entfaltung der Familiengeheimnisse der toten Frau eine Kunstfertigkeit, die freilich literarisch weit über dem normalen Krimi-Maß liegt und weswegen „Die verborgene Ordnung der Dinge“ als spannendes Kabinett-Stück eingeordnet werden muss.

Besprochene Ausgabe: dtv premium | 2010 | 180 Seiten | Broschur* | € 12,90
 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel

      
 
 
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