23.10.2017   Rezension, Buchbesprechung, Buchkritik   Literatur, Buch, Kritik         Flavio Steimann - Bajass: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
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- Bajass

(2014)
Letzte Reise
Der Ermittler und der Mörder suchen Erlösung in einem düsteren Europa am Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts, in Flavio Steimann 's atmosphärisch aufgeladener Krimi-Novelle.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 23.09.2014
Flavio Steimann - Bajass
Zoom Flavio Steimann - Bajass

Ermittler 'Gauch', der "Menschenjäger", steht kurz vor seiner Pensionierung. Auch privat hat er nie die Gegend seines Zuständigkeitsbereichs verlassen. Zunehmend von körperlichen Gebrechen geplagt, sinniert er immer häufiger "über die List und die Lust und die Last" im Job und wird sich seiner Einsamkeit bewusster. Den "Einsamen Wolf", eigentlich der typische Ermittler des angelsächsischen Hard-Boiled-Genres, hat man noch nie so alt und so verzweifelt gesehen, wie in Flavio Steimann 's "Bajass".

Doch ist die Aufklärung von Verbrechen Gauchs Passion - oder zumindest noch. Schnell kann er sich im Falle des Doppelmordes am 'Gandbauern'-Ehepaar anhand weniger Indizien ein Bild des Mörders machen. Vielmehr findet er alsbald sogar auf einem Baryt-Abzug den mutmaßlichen Täter. Mit der notwendigen Geschwindigkeit einer Novelle - das Bändchen "Bajass" umfasst etwa 120 Seiten - findet sich Gauch auf einem Auswandererschiff Richtung USA wieder, er, der Menschenjäger, der nie aus seinem Bezirk rauskam, kann nicht anders, als der Fährte zu folgen - so scheint es.

Die Flucht, vielmehr das Ausbrechen aus Zwang oder Alltag oder hoffentlich aus Armut, ist der Kern in "Bajass". Der Verbrecher steht dafür, und der alte Gauch ebenso. Fast wie Gevatter Tod selbst erscheint Letzterem der Amtsleichenbeschauer, der wie beiläufig über die Leichen des Bauernehepaars doziert, und doch eigentlich mehr der Faszination von Gauchs Gesicht erliegt, in dem er einen zum Tode geweihten erahnt. Gauch spürt Sehnsucht beim Geigenspiel einer jungen Zigeunerin - freilich sind's die Fecker, die die Einheimischen als erste verdächtigen - und er spürt den Tod, und er bricht aus ...

Mit Verfall, Moder, Kälte, Feuchtigkeit und Dunkelheit eröffnet Flavio Steimann die Geschichte, beim Tatort, einem Hohlweg, oder bei einer ersten Begehung des nun verlassenen Hofes. Im Keller findet Gauch eine zerschlissene Dragoner-Uniform, die nun einer Vogelscheuche übergestülpt ist - wenig später im Haus die Fotografie des stolzen jungen Brautpaares, auf der der Bräutigam in der noch funktionierenden Uniform steckt. Das Vieh schreit, weil es nicht gefüttert wurde, vom Hund zeugt nur noch die abgerissene Kette, zerrupfte Hühner zeugen von Misswirtschaft. Der "blöde Knecht" läuft ziellos umher. Später, auf dem Auswandererschiff, wird Steimann nochmal seine Sprachgewalt anwenden, um ähnlich düster die Situation der Glückssucher auf den Unterdecks zu bebildern.

Mit erhabenem atemlosem Stil, etwa seinen kunstvoll geketteten Nebensätzen oder seiner präzisen Wortwahl, die die Satzinformation maximiert und doch seine Melodie belässt, treibt Flavio Steimann seine "Historische Novelle" vom Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts voran. Als Nicht-Schweizer wird man sogar, falls man gründlich sein möchte, einige Begriffe nachschlagen müssen. "Bajass" stellt in seiner Geschichte um Verdingkinder/Kinderknechte in bester Tradition der Novelle die Frage nach Beweggründen zu Taten, wie ausgefallen sie auch sein mögen, gleich doppelt - für den Kriminaler und den Kriminellen.

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Besprochene Ausgabe: Edition Nautilus  |  2014  |  128 Seiten  |  Festeinband*  |  € 19,90

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