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 23.05.2012         Fabia Morger - Amabilia: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Fabia Morger - Amabilia: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Amabilia

(2011)
Per Colt im Päarchenstreit
Was sich liebt, das neckt sich. Und so beschießen und küssen sich zwei Teenager-Agenten gegnerischer Fraktionen in Fabia Morgers Erstlingsroman und Jugendbuch.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 11.06.2011

Küssen ist in dem Fall wirklich doppelt nütze. Es macht Spaß und während der Zeit der Ausführung kann man sich nicht Verplappern. Das ist nämlich nur eine Tragik im frischen Anbandeln von Agentin 'Somylea' und Agent 'Mewes': Somylea beklagt sich gedanklich, ihrem Liebsten fast nichts erzählen zu können, ohne irgendwelchen geheimen Informationen preiszugeben. Die Plakate aus Kriegszeiten lassen grüßen: "Bedenke immer, dass ein Feind mithören könnte!" Kennt man den jedoch sogar bewusst und möchte ihm am liebsten sein Herz ausschütten, ist die Gefahr potenziert, ihm was auszuplappern. Doch auch so eröffnen sich schöne Formen der Manipulation des Gegenübers ...

Mit dem Problem muss sich die siebzehnjährige Somylea mit ihrer fast ebenso jungen, 1991 geborenen Autorin als Sprachrohr am meisten herumschlagen. Fabia Morger schafft zwar eine Ausnahmesituation, eine recht spektakuläre, für ihre beiden Protagonisten. Doch ist ihre Thematik schnell auf den ganz normalen Alltag zu übertragen: In wieweit lässt gegenseitige Liebe die beiden Individuen intakt, und wie weit werden sie vom jeweils anderen unbewusst oder willentlich deformiert und in eine Richtung gedrängt. Sind diese Interaktionen überhaupt lenkbar, vom einen oder anderen oder beiden?

Leider - oder wünschenswert? - ist der Science-Fiction-Roman "Amabilia" als erstes Buch einer Serie angelegt. Man sieht es, der Rezensent ist kein Serienfan. Und so ist auch am Ende von "Amabilia" unbefriedigend, mitten in einer konfliktreichen Liebesbeziehung stehen gelassen zu werden, die weder richtig zu Ende, noch einen zu dem Zeitpunkt definierbaren Status zu haben scheint.
Man ist in einer sehr weit fortgeschrittenen Zukunft, in der sich eine Sache nicht geändert hat: die Jagd nach Rohstoffen. Und ausgerechnet die Eltern von Waisenkind Somylea hatten einst einen Planeten entdeckt, auf dem der begehrteste des ganzen Universums schlummert. Wie ein Paukenschlag eröffnet "Amabilia", als Somylea mit siebzehn zum ersten Mal diese Hintergründe erfährt und zur Gejagten wird; denn sie besitzt die Koordinaten für diesen Planeten!

Ihr bisheriges beschauliches Leben ist damit vorbei und sie tritt in die Reihen einer "guten" Geheimorganisation ein, deren Hauptanliegen natürlich der Kampf gegen die "böse" Gegenorga ist - in der der gutaussehende Mewes weilt. Fabia Morgers Ideen in den darauffolgenden Scharmützeln um den Planeten sprudeln nur so; ein Sprudeln ist naturgemäß ungeordnet und so hätte sie an ihrer Dramaturgie noch etwas feilen können. Doch die gelegentliche Hakeligkeit und unbedarfte Direktheit hat andererseits ihren eigenen, liebenswerten Charme. Ihre Wortschöpfungen sind wunderbar altmodisch. So etwa Bring-Abhol-Roboter oder Hindenkautomat, wobei sie bei Letzterem gerne in Kauf nimmt, dass man das Wort erstmal genauer anschauen muss, um es zu erfassen. Es geht ihr insgesamt nicht um eine ausgefeilte Technologiebeschreibung, sondern um die Tragik einer Liebe zweier, die den Regeln ihrer jeweiligen Posse unterstehen, und so nur begrenzt ausbrechen können: "Gerade dadurch, dass ich mich hier mit dir treffe und nicht vorhabe, dich zu töten, akzeptiere ich unsere Regeln ganz und gar nicht."

Besprochene Ausgabe: Salis | 2011 | 288 Seiten | Festeinband* | € 24,90


 

 

 

 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
 
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