Für alle Alter ist das tolle Bilderbuch „Der Gott aus der Maschine“ (Hoffmann & Campe, Euro 12,95, gebunden; Zur Rezension...). Die Illustratorin Daniela Bunge bebildert in anarchischer Manier die namengebende Kurzgeschichte von Ludwig Harig. Der erzählt von seinem Vater, der in den Dreißiger Jahren versuchte, auf einfallsreiche Weise seinen Kindern nochmal den Glauben an das Christkind einzuhauchen, denn für die hatten die Mythen Osterhase, Klapperstorch, Nikolaus und Christkind begonnen „ihre übernatürlichen Kräfte einzubüßen“. Sein mechanisches Christkind löst ein heiter-turbulentes Chaos nach der Bescherung aus...
Die Zeichnungen von Daniela Bunge sind sehr detailliert und herzlich und wollen minutenlang studiert werden.
Mystisch geht's auch in John Connolly 's „Das Buch der verlorenen Dinge“ (List, Euro 16,90, gebunden; Zur Rezension...) zu. Hierfür sollte man schon mindestens ein reifes Kind sein, denn es ist Märchenkost die sich mit Horrorelementen mischt; aber das war ja nie weit auseinander. Die Story, die zum Großteil in einer Parallelwelt, nämlich einem archaischen Königreich, spielt, begleitet einen zwölfjährigen Jungen bei seiner Entwicklung zum Mann. Nichts für Weicheier, brutal und bisweilen martialisch. Also das, was Jungen sowieso lesen würden, egal ob es ihnen Eltern verbieten oder nicht. Dabei verpackt Connolly bewußt seine Anliegen - Mut, Toleranz und Geradlinigkeit - in das Spektakuläre.
Wer in den ruhigen Tagen sogar zu faul zum lesen sein möchte, greift zum Hörbuch „Tripods: Dreibeinige Monster auf Erdkurs“ von John Christopher (Patmos, Euro 22,95; Zur Rezension...). Die Geschichte um drei junge Ausreisser, die der Unterjochung durch die 'Weihe' der Dreibeinigen Herrscher entgehen wollen, ist eher aus der BBC-Verfilmung aus den Achtzigern bekannt. Die Interpretation im Hörbuch ist großartig und lässt einen am Sessel kleben (Allerdings können Sie nach jeder der vier CDs eine Pause einlegen, um den Genuss zu verlängern...).
Einer der besten Noir Thriller, oder genauer einer der besten der 'Schwarzen Romantik', ist das 200 Jahre alte „Die Elixiere des Teufels“ von E. T. A. Hoffmann (viele Ausgaben, ab Euro 3,40; Zur Rezension...). Die Geschichte vom Klosterbruder Medardus, der alles andere als klösterlich auf die Schiefe Bahn gerät und in die Abgründe der Hölle schaut, erzeugt nach wie vor eine selten erreichte klaustrophobische Stimmung. Der Leser bewegt sich zwischen Abscheu und wohliger Gänsehaut.
Doris Lessing streicht in ihrer Alternativen Biografie "Alfred und Emily" (Zur Rezension...) den Ersten Weltkrieg aus der Geschichte und schaut, was aus ihren Eltern dann wird. Ihr Vater war in Wirklichkeit kriegsversehrt und traumatisiert, die Mutter zeit ihres Lebens verbittert, weil das Schicksal es nicht gerade gut mit ihr meinte. Ein restlos glückliches Leben schenkt sie ihnen in der Fiktion auch nicht, doch das Gedankenspiel ist anrührend und ein Vermächtnis an alle vom Ersten oder Zweiten Weltkrieg ähnlich Betroffene.
Pflichtlektüre für den des Englischen mächtigen Jugendlichen und auch für die Erwachsenen sollte „Little Brother“ des Wahl-Londoners Cory Doctorow sein (Zur Rezension...). Eindringlich und in einer guten Story erinnert uns Doctorow, was Privatheit einmal bedeutete und wie sehr wir seit dem 'Anti-Terror-Krieg' unbemerkt hingenommen haben, dass uns diese entgleitet. In einer nahen Zukunft gehen Jugendliche daran, all die Gimmicks, mit denen normalerweise die Marktforscher jegliche ihrer Aktivtäten erfassen - Spielekonsole (online), an die Schulen gesponsorte Betriebssysteme, SMS, Messenger - gegen die Überwacher zu richten. Sie lernen die Kameras mit 'Gait Recognition' und RFID-Chips auszutricksen. Doctorow und seine Familie werden im derzeitigen London pro Tag durchschnittlich 500 Mal fotografiert. Das nervt ihn gewaltig und hat ihn zu seinem bisher besten Buch angetrieben. Spätestens die deutsche Übersetzung wird auch hier einschlagen wie eine Bombe. Die der Guten.
Zuletzt „Glashaus“ von Charles Stross (Zur Rezension...): Anfang 2008 erschienen, ist es eindeutig an den geübten Science-Fiction-Leser gerichtet. In den letzten Jahren entstandene Konzepte der SF werden nicht groß erklärt, sondern die Kenntnis dieser Vorstellungswelt, manchmal als 'Post-SF' tituliert, vorausgesetzt. Wagen Sie sich ran, erleben Sie die extreme Boshaftigkeit der Hirnforscher in einer Zukunft, die über den Menschen des 21. Jahrhunderts nicht mehr viel weiß und in einem Experiment damalige Verhaltensweisen zu eruieren versucht. Davon ab kann man schon mal schnuppern, wie es für ein Individuum sein wird, dessen zwei oder mehr Personifizierungen getrennt gelebt haben und dann wieder zusammengeführt werden. Wieviel hält ein Hirn aus? Und was sagt der Verstand? Spannende Fragen.
Martin Amis:
Die schwangere Witwe
Hanser, Festeinband
Shumeet Baluja:
Silicon Jungle
suhrkamp nova, Broschur
Moti Kfir, Ram Oren:
Sylvia Rafael. Mossad Agentin
Arche, Festeinband
Martin Amis:
1999
Rowohlt, Festeinband
Sorj Chalandon:
Die Legende unserer Väter
dtv premium, Broschur
Douglas Coupland:
Eleanor Rigby
Hoffmann und Campe, Festeinband
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