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 23.05.2012         Essay  - Near-Future-Thriller: Ken MacLeod und Charles Stross Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
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- Near-Future-Thriller: Ken MacLeod und Charles Stross

Starke Near-Future-Thriller von den schottischen Schriftstellern Ken MacLeod und Charles Stross
Man nehme als Gerüst den klassischen Detektivroman, male sich aus, welche politischen Entwicklungen und weltweiten oder interstaatlichen Bedrohungen auf uns zukommen könnten und zeige, wie die zukünftigen Akteure die letzten technischen Gimmicks zur Informationsgewinnung nutzen. Man bette das ganze noch in einen glaubwürdigen Alltag mit ebenso netten persönlichen Gadgets: Fertig ist der gelungene Near-Future-Thriller.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 22.09.2008

Zwei Meister hierin sind die Schotten Ken MacLeod und Charles Stross, seit Jahren dem SF-Leser bekannt und auf gutem Weg, eine breitere Leserschaft aus dem Umfeld Krimifans und Spionage-Thriller-Fans zu finden.
Zur Spannung eines normalen Krimis stellt sich zusätzlich das Kribbeln ein ob der Frage, könnte sich meine Welt noch zu meinen Lebzeiten in beschriebene Richtung entwickeln - und wie fühlt sich das an? Beide Autoren ringen intensiv mit den Implikationen neuester technischer Errungenschaften. Als Bedrohungslage sehen sie die üblichen Verdächtigen - Terrorismus, Industriespionage, Auslandsspionage, Internationale Kriminalität; der Mensch bleibt schlecht, sein Vorgehen allerdings wird raffinierter und die Fronten wechselhafter.

So ist in Ken MacLeod's „The Night Sessions“ der Krieg gegen den militanten Islam schon geschlagen. Um die erstarkte christliche Rechte im Zaum zu halten, haben die meisten Staaten Kirche und Religion ins rein Private verbannt. Im säkularen Schottland hat Detective Inspector Adam Ferguson plötzlich einen per Briefbombe hingerichteten harmlosen Gemeinde-Pfarrer am Hacken... Eigentlich schien religiös motivierter Terrorismus Vergangenheit zu sein.

MacLeod's „The Execution Channel“ dagegen ließe sich als eine Fortschreibung des typischen Kalter-Krieg-Thrillers betrachten. Allerdings sind die Agierenden noch weniger greifbar, präsentieren sich und kommunizieren - wenn überhaupt - im Netz. MacLeod ist dabei politischer als die meisten 'Cyberpunk'-Autoren, die Ereignisse sind wesentlich näher an unserer Realität und enthalten viele Referenzen.

Kollege Charles Stross lässt seinen lustigen Hacker-Krimi „Halting State“ in Edinburgh und Glasgow spielen. Mit dem Buchtitel spielt er zwar auf ein berüchtigtes Dilemma der theoretischen Informatik an, auf das 'Halteproblem', doch geht es um nichts weniger als eine staatstragende Krisis, als aus dem Ausland versucht wird, die gesamte elektronische Infrastruktur des kleinen Schottlands lahmzulegen, den „Staat anzuhalten“! Die smarte, äußerst britische Streifenpolizistin Sue ist nur einer von vielen charmanten Charakteren, die in den Strudel der Ereignisse gezogen werden.

Beide Autoren tummelten sich bis vor wenigen Jahren noch im Genre Space Opera, dem Genre der SF, das doch eher die reine Lust am Abenteuer, an imaginären Welten und dem Fremdartigen bedient. Mit ihren letzten Veröffentlichungen „The Night Sessions“, „The Execution Channel “ und „Halting State“ - alle noch nicht auf deutsch erschienen - werden sie irdisch und begeben sich in eine nicht allzu weit entfernte Zukunft.


 

 

 

 
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