Essay  - Geschenk-Tipps zu Äquinox Frühjahr 2010 Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

* buchtipps buchkritik buchneuerscheinungen

sf magazin google plus   Bücher   Essay  - Geschenk-Tipps zu Äquinox Frühjahr 2010 Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   Buch Bücher
11.02.2012   > Impressum   > Mediadaten  
 
 
buch neue literatur romane bestseller krimis thriller science fiction buchempfehlungen buchbesprechungen buchtipps buchkritik
Romane Krimis Thriller Lesetipps Bücher Buchkritik Literatur
 

- Geschenk-Tipps zu Äquinox Frühjahr 2010

Jetzt haben wir Abstand: Unsere Drei Besten 2009
Wir machen Geschenk-Tipps zu Äquinox. Oder zu Ostern, wie Sie wollen. Und blicken entspannt zurück auf drei Bücher des vergangenen Jahres.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 20.03.2010

Man muss sich schon wundern über die Jahresend-Bestenlisten für alles und jenes, die stets im Dezember oder Januar die Medien füllen: Komischerweise häufen sich da Werke der erst gerade vergangenen Vormonate. Oder auch nicht komisch, denn „glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast“ sagt ein Sprichwort. Die Werke sind natürlich noch frisch im Kopf, und darum umso präsenter in diesen jährlich „sich von selbst fälschenden“ Listen. sf magazin blickt jetzt mal zurück auf 2009, auch mit schlechtem Gewissen, denn wir vergaßen unsere Weihnachts-Geschenke-Vorschlags-Liste im letzten Jahr. Doch bald ist ja Ostern.

Wir sagen mal: zwei Autoren kommen aus Deutschland; nicht „sind“ Deutsche, sonst würden wir uns sofort aufs Glatteis Identität begeben, das unter anderem Thema von Cem Gülays und Helmut Kuhns „Türken-Sam - Eine deutsche Gangsterkarriere“ (mehr ...) ist, und einer kommt aus US-Amerika. Keine Frau ist dabei. Aber wir sind hier auch nicht beim Schmierentheater Oscar-Verleihung, wo am wichtigsten ist, die Preise der verschiedenen Kategorien gleichmäßig auf Ethnizitäten und Geschlechter zu verteilen. Würde allerdings 2010, also dieses, jetzt laufende Jahr plötzlich stehen bleiben ... dann wäre sicher Alexandra Kui mit ihrem „Wiedergänger“ (mehr ...) schon auf der 2010er-Liste. Doch wir müssen das (noch) im Konjunktiv lassen, sonst würden wir schon im Vorab zu den Statistikfälschern zählen.

Die ausgewählten Autoren sind Cem Gülay mit seinem Ghost Helmut Kuhn und „Türken-Sam - Eine deutsche Gangsterkarriere“ (mehr ...), Helmut Krausser mit „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ (mehr ...) und Joey Goebel mit seinem „Heartland“ (mehr ...).

Da wohnt eine Steigerung inne: Cem Gülay schrieb sein allererstes Buch, in seinem früheren Leben als Gangster hat er allerhöchstens falsche Warentermingeschäfte in die Bücher geschrieben oder Gegner verdroschen und mit blutigen Knöcheln schreibt's sich nicht so gut. Joey Goebel stieg ziemlich schnell zum Popstar auf mit seinem Erstling „Freaks“ (2003) und „Heartland“ ist sein dritter, ziemlich reifer, aber immer noch kultiger Roman. Schließlich ein noch junger altgedienter Herr, er möge entschuldigen: Helmut Krausser. Wir haben die Romane nicht gezählt.

Vordergründig scheint „Türken-Sam“, um mal den Kurz-Titel zu nehmen, ein Sachbuch. Doch es ist viel mehr. Einiges von dem, was es ist, steckt schon in den einzelnen Wörtern seines Titels. Der Autor ist „Türke“; doch ist er das wirklich - warum macht er eine „deutsche Gangsterkarriere“? „Sam“: Das wird sein Spitzname, weil kaum einer der Freunde Cem richtig aussprechen kann. Es ist Autobiografie eines außergewöhnlich interessanten Menschen, der sich als Sprachrohr dingt für von ihm unterschiedene sechs(!) Generationen von in Deutschland lebenden Türkischstämmigen. Es ist Pflichtlektüre zu 50 Jahren türkisch-deutsche Migrationsgeschichte und zur Entstehung von Deutschhass und Türkenhass. Und nicht zuletzt ist es eine Einführung ins Warentermin-Betrugsgeschäft - Spaß beiseite, mit beschriebenen Vorgängen aus den Neunzigern kann man bestimmt nichts mehr anfangen; aber nicht nur unter diesem Aspekt liest es sich wie ein Krimi, der Krimi eines erst jungen Lebens, ein Krimi mit charmantem Info-Dumping.

Joey Goebel 's „Heartland“ ist in seiner Lässigkeit verwandt mit der Schreibe US-amerikanischer, großer Kollegen wie John Irving oder T. C. Boyle. Freilich hat Goebel den Vorteil, jetzt, 2010, erst 29 oder 30 Jahre alt zu sein, der Verlag gibt keinen genauen Geburtstag an. Das Heartland, der Mittlere Westen, gebar schon immer ziemlich widerspenstige und eigenartige Gestalten, trotz allen Bibel-Kults oder gerade wegen. Joey Goebel spielte auch in Punk-Bands. Hätte er es gemacht wie Ditto und Konsorten mit ihrer Band Gossip, die auch aus der Ecke stammen, aber ins kalte Portland zogen, hätte er vielleicht auch bei der Echo-Verleihung gespielt. Doch Goebel blieb und schreibt hoffentlich noch viele wunderbare Bücher. Das amerikanische Original heißt hingegen „Commonwealth“. Und das ist auch Goebel 's Meta-Thema im Buch. Spitzbübisch, mit der Figur eines Dude's, der freiwillig prollig lebt, um sich von seiner millionenschweren Familie abzugrenzen, zeichnet er den Stand der Kultur US-Amerikas. Seine Liebeserklärung räumt auf mit dem prolligen Amerika, der Elite und den Linken. Die Lebenslügen aller drei dieser Klientele nimmt er genüsslich auseinander.

Die Wahl von „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ von Helmut Krausser ist selbstredend zu mindestens einem Prozentpunkt Lokalpatriotismus Berlin von sf magazin, Berlin. Doch auch die restlichen 99 sollen und können begründet werden. Das Buch ist eigentlich ein Zwischending aus Erzählungen-Band und Roman. Krausser hat beides zusammengedengelt, aber wie ein Kunstschmied, nicht wie ein Pferde-Beschläger. Eine Unzahl von Figuren trifft aufeinander in Episoden, die sich zum Ende hin immer stärker verflechten. Der Zufall bleibt dabei einfach hanebüchener Zufall, weil Krausser nicht belehren will, weder den Leser noch seine Figuren, noch mit formalen Experimenten posen will. Er spürt dem Thema Romantik, also in der Liebe, hinterher, oder dem, was davon noch übrig ist. Bei liebevoll tumb gezeichneten Punks oder bei einem arabisch-stämmigen Jugendlichen, Jungfrau, bei einer harten Geschäftsfrau, bei einem geschassten Lehrer, einem Double-Income-No-Kids-Paar oder bei der dicken GI-Nachfahrin und Barkeeperin. Allen schaut er in der vielen Wörtlichen Rede so genau aufs Maul, als hätte er bei allen Klientelen mal in der WG gelebt respektive Abbruchhaus.


Alle Links zu den Rezensionen:

- Cem Gülay, Helmut Kuhn „Türken-Sam - Eine deutsche Gangsterkarriere“

- Joey Goebel „Heartland“

- Helmut Krausser „Einsamkeit und Sex und Mitleid“

      
 

 
blog comments powered by Disqus
 
 

We see you! sf magazin lebt von Werbung. Sie haben keine Berechtigung, diese Site mit eingeschaltetem Ad-Blocker (Werbeblocker) zu surfen!
 
>>> Mehr Info ...

 
> Impressum   > Mediadaten   |  sf magazin google plus  Bücher   Neue Bücher  Buch Bücher
 
  • + sf magazin!
 
 
 
> Datenschutz
 
  • sf magazin   +
  • Bücher Romane Bestseller Krimis Thriller Buchneuerscheinungen
  • Exaktes Ad-Serving.
    Elegante Kunden-Reportings.