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- Britische Jung-Autorin Gwendoline Riley

Groove für Daheimbleiber
Gwendoline Riley beobachtet in bisher drei Büchern präzise ihre Altersgenossen, die Twens, in Manchester. Die schwanken zwischen Rückzug und Angriff.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 30.04.2009

"The day after I finished Joshua Spassky, I started writing the next book. Writing’s just part of my day-to-day life."

sagt Gwendoline Riley dem AMP-Magazin über ihr drittes Buch „Joshua Spassky“. Dabei arbeitet sie in ihrer Heimatstadt Manchester aushilfsweise in einer Bar. Tja, aber auch nur, weil man dort, bevor der Rummel losgeht, schreiben kann.
Mit 22 veröffentlicht sie ihren ersten Roman „Cold Water“, der gleich den Betty Trask Award für das beste Debüt des Jahres erhält. Jetzt, 29 Jahre alt, schreibt sie an ihrem vierten Buch. Trotzig sieht sie aus, auf allen Fotos, ihre Lippen so, als wenn sie gerade einer Wespe in ihrem Mund Unterschlupf gewähren würde, wie es einmal die Guardian ausdrückte. In ihren bisherigen Werken schreibt sie genau über die Generation, der sie selber angehört: die der Twens - und zudem der Twens aus Manchester. Sogar ihre Figuren altern mit ihr: in „Cold Water“ sind es die Erlebnisse einer 20-jährigen, im zweiten Roman „Sick Notes“, deutsch „Krankmeldungen“, sind es die Mitte-20-jährigen, und in „ Joshua Spassky“ schließlich die End-Zwanziger. Und das klappt vorzüglich und hat nichts mit mangelnder Phantasie zu tun, unsere biblisch-alte, deutsche Ikone Martin Walser macht es genauso.

Sie schrieb also zuerst über Leute, die nicht mehr jugendlich aber auch nicht erwachsen waren, mit einer ihr eigenen Knappheit im Stil und dem trockenen, britischen Humor, den selbstredend jede Generation dort drüben besitzt. In formaler Perfektion ohne Überflüssigem blickt sie mitleidlos auf ihre Figuren, deckt eher ihre Nachgiebigkeiten, Empfindlichkeiten und Schwächen auf. Haltlosigkeit und Orientierungslosigkeit sind Themen, ohne dass man Riley 's Büchern inhaltlich oder stilistisch das Prädikat „graue Alltagsleere“ geben müsste. Es passieren ja Dinge, durchaus.

Lange Jahre musste man auf die jeweilige Übersetzung der Bücher Gwendoline Riley 's warten. So lesen viele ihrer Fans sie einfach im Original. Im März gab es jetzt immerhin ihr zweites Buch „Sick Notes“ auf deutsch als „Krankmeldungen“, fünf Jahre nach Erscheinen des Originals. Seit zwei Jahren ist ihr dritter Roman „Joshua Spassky“ auf englisch auf dem Markt.
„Cold Water“ ist Liebes- und Hass-Erklärung an Manchester, wobei die Hassliebe doch nur der Labilität und Ziellosigkeit der Anfang-20-Jährigen Figuren entspringt. Sie geben sich cool, warten ab, genießen das Dahintreiben. Sich zu treffen und zu trinken ist in dieser Zeit am wichtigsten. Der Engländer zieht nicht gerne viel an. Und in der Kneipe ist es am wärmsten und man kann das nasskalte Manchester vergessen.

"I stink of loneliness" propagiert die Heldin in „Sick Notes“, „Krankmeldungen“, das auch wieder in Manchester spielt. Sie lebt in den Tag hinein, trinkt Gin und schreibt Notiz-Kladden voll. Ab und an kann sie von der Freundin, bei der sie abgestiegen ist, überredet werden, um die Häuser zu ziehen. Trotzig lebt sie ihre selbstgewählte Isolation und das Hadern mit der „wirklichen“ Welt:

'You're so in love with your lifestyle these days', he says. I'm outraged.
'I don't have a lifestyle,' I say and drink more.

Sie will ihre Ruhe vor Arbeit, Erwachsensein, Liebe. Doch dann...

In „Joshua Spassky“ schließlich geht es um den Versuch des Weggehens, die Heimat zu verlassen, und um die Dinge, die man doch nicht so einfach hinter sich lassen kann. Natalie, 27-jährige Roman-Autorin, verlässt entnervt Manchester „mit seiner schlechten Imitation von Tageslicht“, um die „grauen, schmierigen Hügel“ ihrer Heimat gegen die Blue Ridge Mountains in den USA einzutauschen. Dort, unter der Sonne, sind ihre Lungen „gefüllt mit diesem harten Licht“.

Wichtiger noch als einen Ort zu verlassen, scheint Natalie das Zurücklassen ihrer Vergangenheit, der Dinge, die in der Familie passierten und was zwischen Freunden passierte. Andererseits fliesst in ihr Selbstmitleid eine immer größer werdende Angst vor der Zukunft mit ein, sie, die End-Zwanzigerin, zergeht in Horror vor dem Älterwerden und Orientierungslosigkeit. Gwendoline Riley setzt dem Lamentieren ihrer Heldin ihren knappen Stil und trockenen Humor entgegen - und lässt sie sich ins Schreiben flüchten.
Mitten in einer Liebesbeziehung wähnt sie ihre Einsamkeit überwunden, um nur kurz darauf festzustellen, dass sie wiederkehrt, wie der unvermeidliche Regen... In welcher Stadt gab's nochmal genug Regen?

Ob sie selber das Schreiben als Isolation empfinde, wurde sie vom Guardian gefragt. Auf keinen Fall, sagt sie, sie müsse es einfach tun und könne sich keinen besseren Job für sich vorstellen.

Die drei bis dato erhältlichen Romane von Gwendoline Riley:

- Cold Water (2002), dt. Cold Water (2005)
- Sick Notes (2004), dt. Krankmeldungen (2009)
- Joshua Spassky (2007)

      
 

 
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