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 23.05.2012         Eoin Colfer - Artemis Fowl: Das Zeitparadox: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Eoin Colfer - Artemis Fowl: Das Zeitparadox: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Artemis Fowl: Das Zeitparadox

(2009) - Orig.: Artemis Fowl and The Time Paradox (2008), engl.
Kinders, fallt mir bloß nicht in zeitreisebedingte Reorientierungsdepression!
Man kann die Elfe 'Holly Short' durchaus lakonisch nennen, wenn sie am Ende des Buches zusammenfasst, was passiert ist: „Wir sind hin, haben uns den Lemur geholt, und dann sind wir wieder zurück. Es gab ein paar technische Störungen, aber nichts, womit wir nicht klargekommen wären.“ Das, wo sie waren, war ja auch nur die Vergangenheit.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin * 21.02.2009

Das ist einer, dieser Eoin Colfer. Er wohnt ja im grünen Irland, und ein, wenn auch platter, Kinderwitz ist, „da wohnen die Irren“. Aber Colfer würde das als Kompliment auffassen. Denn er weiß selber, dass er den Trollen und Elfen, da in den Hochmooren seiner Heimat, etwas zu nahe gekommen ist.

Elfe 'Holly Short', Captain der Zentralen Untergrund-Polizei, hat hier nichts Düsteres an sich. Denn der Untergrund, das sind die Wesen, die wir Oberflächler normalerweise nicht zu Gesicht bekommen. Holly zum Beispiel hat - klar, als Elfe - magische Fähigkeiten; was nicht heißt, dass die Unterirdischen etwa technologische Hinterwäldler wären. Bei ihren Einsätzen, meist um die ärgsten Schäden der durch die Menschen verursachten Verschmutzung einzudämmen, verlässt sie sich auf ihren intelligenten Schutzanzug, der schon mal Explosionsdruckwellen von ihr abhält oder sie perfekt isoliert gegen Kälte oder Hitze bei ihren schnellen Wechseln zwischen den Elementen. Auch, wußten Sie es?, Elfen haben nicht automatisch Flügel. Sondern einen High-Tech Flugapparat...

Einige typische Science-Fiction-Elemente kommen hinzu, die aber auch für Kinder verständlich sind. So hat ihr Helm selbstredend Head-Up-Display (augengesteuert; okay, die Technik würde auch eine Steuerung über Implantate im Kleinhirn zulassen, aber dagegen sträubt sich Holly), ihre Handschuhe haben Sensoren, die ihre Bewegungen in Befehle für die mechanischen Flügel übersetzen und so fort. Tja, Kinders, wenn ihr in einigen Jahren eure Computer-Games beim Spazierengehen übers Head-Up zockt, solltet ihr vorher natürlich kognitives Training absolviert haben; denn ihr müsst ja noch mitkriegen - im realen Leben -, wenn die Ampel auf Rot springt.

Artemis ist der junge, gutbetuchte, menschliche Held der Reihe mit zweifelhafter Vergangenheit. Er residiert auf Fowl Manor (engl.:Landsitz). Seine Mutter hat eine geheimnisvolle Krankheit, die mit Artemis' früheren Kontakten zu den Unterirdischen in Zusammenhang stehen muss. Treu stehen alsbald seine Freundin Holly und per Videoübertragung sein Freund Foaly auf der Matte. Schnell ist klar: Kein den Menschen zur Verfügung stehendes Medikament wird helfen können. Holly und Artemis müssen in die Vergangenheit reisen, um das letzte Wesen zu retten, das ein Gegengift produziert: eine heute ausgerottete Lemuren-Art. Jetzt kommt die Geschichte schlagartig in Gang:

„Wir haben alle Kontakte aus unserer Vergangenheit, die vielleicht ein wenig Licht in das Dunkel um Mrs Fowls Zustand bringen können. Darunter Leute, mit denen wir uns unter anderen Umständen lieber nicht abgeben würden. Lassen Sie uns diese Luete so schnell wie möglich hierher bringen. Für lästige Formalitäten wie Pässe oder Visa ist kein Zeit, wir müssen handeln.“

Letzteres kann als Motto für den Fortgang des gesamten Buches gelten. Es gibt fast keine Ruhepausen - schwups - sind wir in Finnland, über Belgien oder in Marokko. Doch - und das ist in diesem Artemis Fowl-Abenteuer der Clou - wir sind es nicht immer in der selben Zeit. Da gehen die Paradoxe schon mal los. Jeder Schriftsteller erzählt auch etwas aus der Vergangenheit seiner Figuren. Er ist ja der allwissende Erzähler, wie der Deutschlehrer schön sagt. Doch hier geht's um leibhaftige Zeitreise. Und das heißt: der achtzehnjährige Artemis ist gezwungen - natürlich mit Hilfe seiner Freunde aus dem Erd-Untergrund - acht Jahre in der Zeit zurückzureisen, um sein eigenes, zu dem Zeitpunkt zehn Jahre altes Ebenbild, vor einer Dummheit zu bewahren! Da beginnt schon die Spannung: Wird er es völlig unauffällig tun, aus dem Hintergrund heraus die Fäden ziehen sozusagen, damit sein jüngeres Selbst die Beeinflussung nicht mitkriegt, oder begegnen sich die „beiden“, also eigentlich der „Eine“ tatsächlich...?

Was auch passiert, die Erd-Untergrundler haben ja so einiges parat, um selbst die Gedanken und Erinnerungen der Menschenwesen im Nachhinein zu beeinflussen.

Etwas ruckelig, hakelig, kommt der Erzählfluss daher. Doch um Spannung und Action zu gewinnen, gerade für Kinder, braucht die Sprache keinen Schönheitswettbewerb zu gewinnen. Da entschädigen krude Ideen Colfer 's, der uns tatsächlich weismacht, dass nur noch sechs Kraken auf der Erde leben. Und die sind wirklich so groß wie in den alten Sagen. Bewegen tun sie sich fast gar nicht und kriegen so einen Panzer aus Felsen, Korallen und Algen. Eine uralte bildet - vom Menschen unbemerkt - eine Insel vor Helsinki. Leider muss sie sich nach 3.000 Jahren mal wieder häuten. Das tut sie, indem sie Unmengen von Methangas anreichert und dann zündet...
Das ist mal ein Furz!

Besprochene Ausgabe: List | 2009


 

 

 

 
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