Beim Lesen von „Böse Vögel lassen Federn“ wird oft deutlich, wie arrogant und unwissend die aufgeklärten Deutschen über die USA lästern. So etwa der Schimpf darüber, der „Ami“ würde ja jeden Schritt mit dem Auto zurücklegen. Das würde in den Südstaaten jeder, wo im August „zur Tür hinauszugehen war, als würde man mit hohem Fieber ein Dampfbad betreten“, und das nur mit leistungsstarker Klimaanlage im Auto. Deutschland, daran sei erinnert, liegt auf der Breite Kanadas und der allernördlichsten US-amerikanischen Neuenglandstaaten.
Viel lakonischen Südstaaten-Humor bringt uns Andrews näher, in der Geschichte um 'Meg Langslow', der Hobby-Schnüfflerin, und einer Schar leicht verhaltensgestört wirkender Protagonisten - ihre eigene Familie eingeschlossen -, die sich in einer Kleinstadt ein Großraumbüro teilen müssen. Zu einer Bande von Irren aus der IT-Branche, genauer gesagt zu den Mannen und wenigen Frauen der Computerspiele-Firma von Meg's Bruder Rob, gesellen sich noch ausgerechnet sechs Psychotherapeuten - und das in einer „Kubenstadt“, so nennt es Meg, also in einem Büro mit lauter kleinen, nur durch Raumteiler abgetrennten Kuben.
Rob's Firma 'Mutant Wizards' wurde erfolgreich durch „Höllenanwälte“ und arbeitet fieberhaft am Launch von „Höllenanwälte II“. Dann der Mord an einem der Programmierer. Andrews' Themen drehen sich um Industriespionage - seitens konkurrierender Spiele-Firmen -, um Konkurrenzverbotsvereinbarungen und Verschwiegenheitsklauseln von Ex-Mitarbeitern, um Details von Vitae, die nicht in Personalakten vermerkt sind, aber auch um das ausstehende Coming Out eines Autoren, der vorerst unter dem Pseudonym Anna Floyd romantische Romane veröffentlicht, was nicht einmal seine Ehefrau weiß. Nicht nur die „militante Antiwachstumspolitik“ des Bezirkes, der die Wohnungs- und Büroraumnot geschuldet ist, scheint absurd.
“Er stinkt“, sagte die Aushilfe.
„Daran gewöhnen Sie sich.“
Das bezieht sich auf Bürogeier George, der nur einen Flügel hat. Daneben tollen die Köter 'Spike' und 'Katy', die 80 kg schwere Irische Wolfshund-Dame, durchs Büro, als nur einige der Vierbeiner, zu deren Mitbringen an den Arbeitsplatz die Mitarbeiter ausdrücklich ermutigt sind. Also ist das Büro auch noch ein halber Zoo.
Mit Wortwitz, Slapstick und Running Gags wie dem Stalker, der so oft auftaucht, dass er seine Bedrohlichkeit verliert, führt Andrews ein, in die archetypische Bürowelt der hippen Branchen wie Werbung oder IT, in denen sich verschrobene Angestellte mit Begeisterung 14 Stunden täglich ausbeuten lassen. So gibt es im Software-Biz regelmäßige „Builds“, bei denen die Entwicklungsfortschritte Einzelner oder einzelner Teams zusammengeführt werden, um den Gesamtfortschritt zu testen. Meg sinniert: „Abendliche Builds sollten eigentlich die Ausnahme sein. Seit ich hier war, hatte jeden Tag einer stattgefunden.“
Die erwachsenen Technikfreaks bezeichnet sie als „sture, unabhängige Ikonoklasten mit einer heimlichen Vorliebe für Anarchie, Entropie und unkonventionelle Wege.“
Im Mordfall gerät Bruder Rob unter Hauptverdacht und Meg hat alle Hände voll zu tun, der Polizei die richtigen Indizien zu seiner Entlastung aufzuzeigen. Wo anfangen? Es gibt die regelmäßig von der Konkurrenz in Form von Fans, Kopiererreparierern oder Lieferanten vorbeigeschickten Industrie-Spione sowie die Nacktversion „Nackte Höllenanwälte“, die ein Hacker, wahrscheinlich ein Firmen-Insider, ins Netz gestellt hat. Hier sind die comicartigen Figürchen nicht nur ausgezogen, sondern sie „tun ... andere Dinge.“ Dann gibt es noch den kürzlich entlassenen Mitarbeiter...
Allerhand Fährten, und es tobt das Gerücht, dass derjenige gefeuert würde, der die gehackte Version in Umlauf gebracht hat.
Mit dem Trick, Meg als Empfangsdame im Eingangsbereich sitzen zu lassen, kann Donna Andrews schnell die Reihe der wichtigsten Figuren einführen - da sie alle irgendwann am Empfang vorbeirauschen lässt. So auch Firmenanwältin Liz, stets monochrom gekleidet: „Nur ihr Gesicht und ihre Hände verhinderten, dass sie aussah wie eine Figur in einem Schwarzweißfilm; und wenn ich es recht betrachte, sahen sie nicht einmal real aus - eher schlecht koloriert.“
Mit Ironie und stets leichter Boshaftigkeit karikiert Meg sich selbst und ihre Zeitgenossen, oft in abgehackten Sätzen mit schönen Nachklappen oder Analogien. Wie bei Chief Burke, dessen Miene mehr und mehr Moses ähnelte, „dem schon jener Dampf aus den Ohren quoll, unter den er irgendeinen Götzendiener zu setzen gedachte.“
Ach ja, es gibt noch den kaugummirosafarbenen Plüschteddy der sich als „Bekräftigungsbär“ entpuppt, eine Neuanschaffung der Therapeuten, der seinem menschlichen Freund auf Bauchdruck jedesmal eine andere, positive, bekräftigende Aussage liefert, wie
„Ich bin eine starke, selbstständige Frau, die ihre eigenen Entscheidungen trifft.“ -
„Ich sorge für meinen Körper, indem ich Wellnessübungen mache und regelmäßig trainiere“
Genüßlich stellt sich Meg vor, welche Streiche die Programmierer mit solch einem Bären anstellen würden, bekämen sie einen in die Hände...
Wer des Englischen mächtig ist, dürfte sicher noch größeren Spaß beim Lesen des Originals haben.
Besprochene Ausgabe: Bastei Lübbe | 2009 | 367 Seiten | Broschur* | € 7,95
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