In acht Geschichten macht David Benioff Kerls zu Helden und Nicht-Helden in sanften Variationen vom Scheitern des Amerikanischen Traums. Seine US-amerikanischen Männer im jungen oder mittleren Alter mogeln sich durch pointierte Lebenssituationen, die oft nicht ausgehen, wie sie es sich wünschen - ihre Würde behalten sie jedoch, auch wenn Illusionen zu Bruch gehen. Vor moralische Entscheidungen gestellt, stellen sie sich nicht immer klug an - doch das ist für den Leser leicht gesagt, kann er es ja aus der Entfernung und im Nachhinein beurteilen. Andersrum entwickeln sie teils gerade in größter Not und Verzweiflung integre Stärke.
Nicht immer gehen Benioff 's acht Figuren mit Erkenntnisgewinn aus ihren Erlebnissen um verlorene Unschuld, vergängliche Schönheit oder verlorenen Illusionen hervor. Oft bleiben ihnen mehr Fragen als Antworten und ihr Optimismus in der Niederlage übrig. Das kommt in Benioff 's feinfühliger Prosa daher, ein natürlicher, nüchterner Erzählstil ohne Extravaganzen. Freilich, trotz der inhaltlichen Vielfalt der Geschichten, ein ruhiges, sanftes Buch, die reißerisch-knallige Short Story sollte man nicht erwarten.
Gleich in der Titelstory trifft Gier auf Integrität, wenn ein alternder Platten-Boss mit einem lukrativen Deal eine Sängerin von ihrer Band und ihrem Freund loseisen will. Der Freund hatte sich alles anders vorgestellt, als er ein Straßenfest organisiert zu Ehren seines Ford Galaxy 500, dessen Tacho die 200.000 überspringen wird: When The Nines Roll Over..., so im Original.
„Merde bringt Glück“ holt den Leser zurück in die schreckliche Zeit des Erwachens ob der Katastrophe, die AIDS plötzlich auch in der westlichen Welt vor allem über homosexuelle Männer bringt. Die Romanze zwischen zwei Künstlern beginnt auf einer Rasierparty. Und dort beginnt auch die Geschichte von Schuld und Selbstvorwürfen für einen der beiden Lover...
„Barfuß im Klee“ beginnt: „Als ich sechzehn war, stahl ich ein mitternachtsblaues 1955er Eldorado-Cabriolet und fuhr für den Nachmittag nach Hershey Park [...]“ Dabei lässt uns der Erzähler wissen, dass kein Mensch von New Jersey nach Pennsylvania flüchten würde! Wenn schon, denn schon, würde man nach Kalifornien durchfahren. Doch er kriegt Schiss. Immerhin lernt er unterwegs die hübsche 'Maureen' kennen und durchlebt eine kurze Romanze. Vierzehn Jahre später, die Träume des Erzählers sind zerplatzt, erinnert er sich, und macht sich auf die Suche nach Maureen.
Oft haben sich's die Figuren behäbig eingerichtet und merken, dass das Leben an ihnen vorüberzieht, und eventuell, siehe oben, seit vierzehn Jahren nichts Einschneidendes mehr passiert ist. David Benioff behandelt seine acht Kerls in „Alles auf Anfang“ respektvoll und einfühlsam und stellt sie in keinem Moment bloß.
Besprochene Ausgabe: Blessing | 2010 | 300 Seiten | Festeinband* | € 17,95
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