Charlie Huston - Das Clean Team Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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Charlie Huston Das Clean Team

Charlie Huston - Das Clean Team (2009) - Orig.: The Mystic Arts of Erasing all Signs (2009), engl.

Ich wisch das mal weg
'Web' braucht einen Job und da kommt ihm das Angebot bei einer Tatortreinigungsfirma gerade richtig. Gewebestücke aufsammeln, Blut wegwischen. Aber auf Web, eigentlich ein zynischer Loser, wartet mehr: Unfreiwillig wird er zum Held. Gerettete "Prinzessin" inklusive.  Von Clarissa Lempp - sf magazin 15.11.2009
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Hustons Protagonist ist einer, wie wir ihn aus vielen L. A. Romanen kennen: Ein Antiheld, der, erstmal aus seiner Lethargie gerissen, keine Gefahr scheut; zwar eher aus Gleichgültigkeit als aus Heldenmut, aber es dient der Situation. Er lebt zusammen mit (oder vom) Tattoo-Künstler und bester – vielleicht einziger – Freund 'Chev'. Der ist es aber leid, die Miete, den Einkauf und die Horrorheftchen seines nörgelnden Dauergastes zu bezahlen und stellt ein Ultimatum: Such dir einen Job, jetzt! Da kommt Web das Angebot von 'Po Sin', Sondermüllentsorger für menschliche Abfälle, der auch Chev als Kunde von blutgetränkten Mullbinden befreit, gerade richtig. Das "Clean Team" verspricht 10 $ die Stunde, um Tatorte zu reinigen. Schon beim zweiten Einsatz begegnet Web 'Soledad', die seine zynischen Kommentare amüsant findet, trotz der unangenehmen Situation, da Web gerade Hirnpartikel ihres Vaters von der Wand entfernt. Schnell entwickelt sich große Sympathie zwischen den beiden und als Soledad eines Nachts einen Hilfeanruf startet, ist Web sofort zur Stelle. Was er noch nicht weiß: Neben der Tatortreinigungsmafia, die ihm und der Firma bereits das Leben schwer macht, warten nun auch noch ein Cowboy und der geistesgestörte Bruder der Angebeteten darauf, ihm das Leben zu vermiesen. Denn Soledads toter Vater war der Schmugglerkönig von L. A..
"Fickende Hölle!", würde Po Sin dazu sagen. Überhaupt geht es sprachlich locker zu bei Charlie Huston. Die Dialoge sind treffend und, mit Bindestrichen markiert, wirken sie fast wie eine gegenseitige Befeuerung. Nicht nur das böse F-Wort kommt hier zum tragen. Hustons Sprache ist die der Straße, sicherlich noch authentischer im englischen Original.

Web lernt nun also, wie man unsichtbare Blutflecken mit Peroxid sichtbar macht, in welchem Radius ein Kopfschuss Spuren hinterlässt und einiges mehr. Nicht jedermanns Job, aber, wie Webs Kollege feststellt, für die, die vom geraden Weg abgekommen sind, genau richtig. Schon Webs Familienhistorie lässt schließen, dass dieser junge Mann Ende 20 mit einigen Wirrungen in dieser Welt zu kämpfen hat. Während sich die Hippie-Mama ein Utopia aus Waldbeeren und Marihuana in Oregon geschaffen hat und zur kosmischen Lenkung des Sohnemanns gerne mal "Hilfsgeld" in glücksbringenden Zahlenkombinationen verschickt, trinkt sich Papa 'L.L.', ehemaliger Erfolgsdrehbuchautor, den Kummer von der Seele und liest sich durch seine Privatbibliothek. Der Kummer L.L.'s ist einer, der die Familie betrifft, ist er doch Schuld am Unfalltod von Chevs Eltern. Und noch etwas quält Web, den ehemaligen Lehrer, denn es gibt gute Gründe warum er nicht mehr unterrichtet und nicht mehr Bus fährt. Es soll hier aber nicht zu viel verraten werden. Denn davon lebt Hustons Roman, er deutet an, er lässt die Figuren verschwörerisch über Ereignisse sprechen und deckt sie erst ein paar hundert Seiten später auf. So soll es sein in einer guten Kriminalgeschichte. Wir dürfen mitfiebern und uns fragen, was diesen kauzigen Arschlochtypen, wie Web von allen Seiten betitelt wird, denn erst zum Arschloch machte und wer sich hier eigentlich sonst noch so die Hände schmutzig gemacht hat...

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Besprochene Ausgabe: Heyne | 2009 | 496 Seiten | Broschur* | € 8,95
 
* Festeinband: harte Buchdeckel
  / Broschur: weiche Buchdeckel

 
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