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 21.05.2012         Carlos Salem - Wir töten nicht jeden: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Carlos Salem - Wir töten nicht jeden: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Wir töten nicht jeden

(2011) - Orig.: Matar y guardar la ropa (2008), spanisch
Der Mensch im Killer
Profikiller 'Juan Pérez Pérez' muss seine Liebsten verteidigen, darunter seine beiden pubertierenden Kinder, seine Exfrau, deren neuer Lover, ein Jugendfreund und seine Geliebte. Das alles in einem erzwungenen FKK-Urlaub in Carlos Salem 's durchgeknallter Krimigroteske.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 05.06.2011

Sie gönnen sich nix gegenseitig, die Killer-Kollegen aus der "FIRMA", deren Leitspruch "Wir töten nicht jeden" heißen könnte. Wenn man mal einen Auftrag hat, der zusammengeführte Man-Power erfordert, wird gelästert über Dinge wie, "was man von Nummer X' grobem Schnitzer in dem und dem Fall halte". Held Juan Pérez Pérez arbeitet nicht nur deswegen am liebsten alleine. Allzu schnell vertraulich würden Auftragskiller bei der gemeinsamen Arbeit; der Grund sei, dass man seinesgleichen eben nicht allzu oft in der Schlange beim Bäcker treffe. Und so wöllten sie sofort wissen, ob man derjenige sei, der XY liquidiert habe oder welche Waffen man bevorzuge. Killer-Gossip eben.

Die FIRMA ist teuer. Doch der Unterschied zwischen Leben und Tod ihrer Opfer aus Polit- oder Wirtschaftskreisen lässt sich nur in ungleich horrend höheren Zahlen bemessen. Da muss schon mal jemand dran glauben, dessen Erfindung Krankenhäusern viel Geld sparen würde - und den Pharmazulieferern viel Geschäft versauen würde. Oder der Informatiker, der die Welt mit einem revolutionären, erschwinglichen Betriebssystem versorgen will.

Das sind die realistischen und beängstigenden Untertöne in Carlos Salem 's "Wir töten nicht jeden". Alles andere ist gnadenloser - guter - Klamauk. Doch haben alle Figuren eine Wärme und Lebensechtheit, sodass gar keine nur als "Nebenfigur" am Rande bleibt. Und intim ist die Situation allemal, spielt doch bis auf einige Rückblenden fast alles auf einem FKK-Campingplatz im Süden Spaniens.

Anfangs kommen einige Running Gags zu oft um die Ecke, doch ab Seite 50 hat einen die Geschichte fest im Griff, schnürt immer weiter zu und setzt immer noch eins drauf, ohne zu überziehen. Das gar nicht zufällige Kabinett an Leuten, die sich dort auf dem Campingplatz einfinden, zieht ein Gewirr von Fäden, dem Held 'Juanito' Juan Pérez Pérez erstmal hilflos gegenübersteht. Eigentlich wollte er mit den beiden Kindern aus geschiedener Ehe ganz woanders Urlaub machen. Unterwegs erhält er den Auftrag umzusatteln, um einen "Kunden" im vorab zu beobachten und zu berichten. Keine Angst, wird ihm versichert, ausführen müsse er selber nicht, er habe ja schließlich Urlaub. Das würde ein Kollege übernehmen. Der Schock sitzt tief, nein, nicht der über seine anfänglich ständige Erektion auf dem FKK-Platz, sondern als er dort seine Exfrau mit ihrem neuen Lover, einem berühmten Richter, vorfindet. Dessen nicht genug, treibt sich noch mysteriöser Jugendfreund 'Tony', mit einer durchtrainierten Blondine im Schlepptau, die Juan alsbald mit Kennerblick als eine seines Standes einordnen kann.

Doch wer soll hier eigentlich sterben? Juan muss immer mehr sich harmlos gebende Urlauber abchecken ob ihrer Gefährlichkeit für sich selber, für den integren, von Juan bewunderten Richter und vor allem für seine Familie. Die Paranoia steigert sich ins Unermessliche, denn Juan weiß, die FIRMA hat selbst "hochgestellte Persönlichkeiten" auf der Scheckbuchliste.

Das Treiben auf dem an sich weitläufigen Campingplatz wird immer mehr zum Kammerspiel. Agatha Christi lässt grüßen. Carlos Salem setzt immer noch eins drauf und lässt nach dem ersten Toten sogar noch einen Kriminalkommissar auftreten, für den Juan auch einiges übrig hat. Man kennt sich schon länger. Doch auch hier überzieht die Absurdität nicht: Obwohl in einer Sackgasse, entschließt sich der Kriminaler, auch eine Weile Urlaub auf dem Campingplatz zu machen ... Bei allem kommt Gefühl und ordentlich Sex nicht zu kurz. Zeltwände sind ja bekanntlich dünn. Und so können auch die beiden Kurzen noch für die Zukunft was lernen: Gefühle passieren einfach, sind anfangs laut, und später tief.

Besprochene Ausgabe: dtv | 2011 | 288 Seiten | Broschur* | € 8,95


 

 

 

 
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