Brian Thacker - Couch Surfing: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Couch Surfing

(2009) - Orig.: Sleeping around (2009), engl.
Vom Schlafen in fremden Stätten
"Sleeping around" lautet der Originaltitel des neuen Buches des australischen Reisejournalisten Brian Thacker: Ein amüsanter Führer über das kostenlose Beschlafen der Sofas dieser Welt – anglisiert auch das Couch Surfing genannt.  Von Clarissa Lempp - sf magazin 17.09.2009

Wer schon mal von GlobalFreeloaders.com oder HospitalityClub.org gehört hat, oder dort gar angemeldet ist, wird folgendes bereits wissen: Couchsurfing ist bei wildfremden Menschen in fremden Städten in ebenso fremden Ländern auf dem Sofa zu schlafen und das für umsonst. Treffen kann man diese fremden Menschen auf eingangs erwähnten Webseiten und eben auch auf Couchsurfing.com. Hunderttausende Mitglieder aus aller Welt zählen diese Communities bereits. Sofas in allen Ländern, in allen Größen und mit einem authentischen Blick in das Alltagsleben des Reiselands bieten sich da. Die Anfragen erfolgen einfach per Email: "Ich bin so und so, bin dann und dann dort und hier und würde gerne bei dir auf der Couch übernachten". Das hört sich jetzt alles nach Web 2.0-Traum oder Hippie-Utopie an. Friedlich und ohne finanzielle Absichten besuchen sich die Völker dieser Erde in ihren Wohnzimmern. Das Komische daran ist aber, dass es wirklich funktioniert.

Brian Thacker, Reisejournalist und Karaoke-Junkie, hat sich aufgemacht dies zu beweisen und fand in 15 Ländern 23 Sofabesitzer die ihn beherbergten. Von Chile über Brasilien zieht es Thacker auf seiner "abenteuerlichen Reise um die Welt", so der Untertitel, weiter nach Nordamerika, Island, Luxembourg, Istanbul, Afrika, Indien und die Philippinen. Gespickt mit amüsanten Zitaten aus den Mitgliederbeschreibungen, stellt Thacker seine Gastgeber vor. Darunter finden sich Studenten, Marmorverkäufer, Journalisten und Eiskrem-Maschinen-Ingenieure. Auf den Internetseiten kann man sich seine potenziellen Gastgeber "matchen", zum Beispiel mit persönlichen Interessen oder eben nach Beruf. Das dabei für jeden was dabei ist und sich auch Abenteuer anderer Art bieten (zum Beispiel mit einem indischen Single das Bett teilen) hält Thacker mit Zitaten aus den Angeboten fest. Lachen ist beim Lesen ausdrücklich erwünscht und Thackers rasant-naiver Sprachstil ebnet dafür den Weg.

Die Anekdoten über die Couchaufenthalte sind gespickt mit Reisetipps, die seine Gastgeber bereitwillig weitergeben, eben solche, wie man sie nur von Einheimischen bekommt. Dazu allerlei ungehörtes Wissen über Geschichte und Gewohnheiten der Bevölkerung. Zum Beispiel, dass in Island Alkohol erst seit 1989 ausgeschenkt wird (trinken die deshalb so viel?), oder auch, dass Kanadier 30 Euro mehr als andere Nationalitäten für ein Türkei-Visa hinblättern müssen. Ansonsten sieht Thacker die Völkerverständigung durch TV und Alkohol gerettet. "Südafrika sucht den Superstar" und andere Fernsehshows gestalten die Abende in den Wohnzimmern dieser Welt und getrunken wird überall gerne. Ob in staubigen Kneipen in Kenia, auf Familienfesten in Chile oder in den Bars von Rio - Bier und Selbstgebranntes öffnet die Herzen. Daneben gibt der Autor auch kulinarische Tipps und wagt sich todesmutig an so exotische Delikatessen wie vergammeltes Haifischfleisch (Island) oder Ziegeninnereien-Frühstückssuppe (Kenia) ran. Da Couch nicht gleich Couch ist, bewertet Thacker seine Schlafmöglichkeiten, die auch mal von der Urvariation abweichen können. Es gibt Luftmatratzen, Polster mit Hundehaaren und weiche, warme Betten. Eine Couchsurferin berichtet gar von Nächten in einer Luxusvilla mit ungezählten Zimmern und einem eigenen Couchsurfer-Flügel. Leider hat sich Herr Thacker den Namen des Gastgebers nicht gemerkt. Thacker selbst darf auf seiner letzten Station von ähnlichem Luxus profitieren. Auf der philippinischen Insel Siquijor erwartet ihn ein eigener Strandbungalow mit eigenem Badezimmer und eigenem Strand. Da ist die Freude groß, denn bei aller Geselligkeit braucht der Mensch auch ein bisschen Privatsphäre. Und wer das alles jetzt noch immer nicht glaubt, kann sich auf brianthacker.tv beweiskräftige Fotos von Sofas und Besitzern ansehen.

Besprochene Ausgabe: Eichborn | 2009 | 368 Seiten | Festeinband* | € 19,95
 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel

      
 
 
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