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 21.05.2012         Brett Battles - Todesjagd: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Brett Battles - Todesjagd: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Todesjagd

(2010) - Orig.: The Deceived (2008), engl.
Tödliche Achse Singapur - Long Beach - Chesapeake Bay
In den Räumen L. A., Washington D. C. und Singapur siedelt Brett Battles sehr plastisch seinen Thriller um Schein und Sein im Politik-Biz an.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 03.05.2010

In einer Szene in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington skizziert Brett Battles das Treiben auf der mächtigen National Mall, diese drei Kilometer lange und hundert Meter breite Mischung aus Park und Promenade, zwischen dem United States Capitol und dem Lincoln Memorial. Denkmäler und Museen säumen ihren Weg. Etwa im Goldenen Schnitt ragt der riesige Obelisk des Washington Monuments empor. 24 Millionen Besucher jährlich verkraften die Grasflächen - oder auch nicht, wenn zwei Millionen auf einmal da sind, wie bei Barack Obama's Amtseinführung.
Der „Cleaner“ 'Quinn' trifft im Touristengewühl einen Kontaktmann. Es ist Sommer, aber trotz sengender Hitze, der berüchtigten hohen Luftfeuchtigkeit - Washington liegt 3 Grad südlicher als etwa Rom - und der angespannten Inkognito-Situation, kann sich der Agent einer gewissen Ehrfurcht nicht entziehen. Es sind unter anderem diese Momente von Atmosphäre, die Brett Battles ' „Todesjagd“ vom Einerlei abheben. Wenn der Agent auch den ebenso historischen C&O Canal, den Chesapeake and Ohio Canal, im normalen Wohnquartier Georgetown beschreibt.

Mit dem Ort liegt freilich auch schon die Thematik von „Todesjagd“ in der Luft. Denn der aufstrebende Congressman 'Guerrero' beschäftigt in seinem Büro eine alte Freundin von Held und Cleaner Quinn. Cleaner? Quinn wurde im Vorgänger-Werk „Der Profi“ eingeführt und ist Leichenbeseitiger. In dem Sinne, dass diese Leichen nicht gerade beim Friedhof angemeldet werden, sondern unbemerkt entsorgt werden müssen. Brett Battles entwirft für Quinn eine diffuse und halbseidene formale berufliche Position. Zwar strikt als Freiberufler agierend, sind Quinn's Stamm- und Lieblingskunden doch eher den offiziell existierenden Geheimdiensten zuzuordnen. Oder den inoffiziell existierenden. Überlappungen und Grauzonen inklusive. Sein Charakter ist dabei als Mischung aus Einsamer Wolf, Integrität im Job und Loyalität zu Freunden ausgelegt. Also ein Sympath, trotz seines grausigen Handwerks.

Congressman Guerrero hat durchaus Chancen, in den Wahlperioden in vier oder acht Jahren von seiner Partei als erfolgreicher Präsidentschaftskandidat aufgestellt zu werden. Sein schneller Aufstieg ist auch durch Ehefrau 'Jody Goodman' bedingt, Geschäftsführerin einer Firma mit Aufträgen vom Verteidigungsministerium und Mitglied eines einflussreichen Thinktanks. Als Cleaner Quinn bei der Erledigung eines Auftrags die Leiche eines alten Freundes vorfindet, verschwindet auch noch dessen Lebensgefährtin spurlos. Ihr Arbeitgeber ist besagter Congressman. Für Quinn wird es Ehrensache, über seinen Job hinauszuwachsen und den Fall - wenn auch nicht bis ins Ende aller Fäden - zu klären. Brett Battles schickt uns auf eine minutiös geschilderte Recherchereise, letztlich auch nach Singapur. Das wirkt in seinem für Quinn und Kollegen mühseligem Ablauf sehr realistisch. Da weiß man erst gar nichts und muss durch viel Beobachten, Reisen und Datenrecherchen Licht in etwas bringen ohne zu schnellen Ergebnissen zu kommen. Dabei unterhält uns Battles jedoch gut, mit falschen Fährten und eben seiner Genauigkeit, etwa beim Beschreiben von Handy-Ortungstechnik oder Chiffriertechniken auf ganz normalen Internet-Foren. Seine Agenten-Gimmicks kommen einleuchtend rüber und nicht so völlig abgehoben und wenig nachvollziehbar wie in den meisten Hollywood-Streifen. Auch klassische Spannungsmomente beherrscht Battles gut, wenn er etwa Quinn sich als Journalisten ausgeben lässt, um dem Congressman eiskalt auf den Zahn zu fühlen.

So wächst eine Szene in einer Kunstgalerie in Washington vor dem geistigen Auge, wenn Battles die Vektoren durch die sich die Protagonisten gegenseitig beäugen oder aus dem Weg gehen und die Sichtachsen, die durch die Aufhängung der Kunstobjekte erzeugt werden, Karussell fahren lässt. Durch das Auge des Agenten hat er vorher die Räumlichkeiten abgecheckt und lässt uns das Couleur der Stadt schmecken, mit ihren gespenstischen Sicherheitsvorkehrungen selbst vor einer Galerie oder dem Kleidungsstil der Leute.

Besprochene Ausgabe: Goldmann | 2010 | 448 Seiten | Broschur* | € 8,95


 

 

 

 
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