23.10.2017   Rezension, Buchbesprechung, Buchkritik   Literatur, Buch, Kritik         Bernhard Barta - Sissis Gold - Ein Salzkammergut-Krimi: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Bernhard Barta - Sissis Gold - Ein Salzkammergut-Krimi: Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur
 

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- Sissis Gold - Ein Salzkammergut-Krimi

(2014)
Hinrichtung im Franz-Joseph-Museum, extragschma!
Einen Übersetzer braucht der Norddeutsche gerade so noch nicht für diesen Hochgenuss in Sachen ländliche österreichische Seele. Neben Sittengemälde beherrscht Bernhard Barta auch noch die ernste Seite des Krimi-Geschäfts hervorragend.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 06.08.2014
Bernhard Barta - Sissis Gold - Ein Salzkammergut-Krimi
Zoom Bernhard Barta - Sissis Gold - Ein Salzkammergut-Krimi

Der aufmerksame Kenner des Neunzehnten Jahrhunderts kriegt ja schon auf dem Einband von "Sissis Gold" ein Rätsel aufgedrückt. Denn auch der zweite Krimi vom Kunsthistoriker und Autor Bernhard Barta spielt in Bad Ischl, der „Kaiserstadt“, der einstigen kaiserlichen Sommerresidenz, wo sich die bayerische Sisi und der Franz verlobten. Warum also ein doppeltes S im Buchtitel? Ein Druckfehler? Sagen wir, die Interessen der Agierenden und Verdächtigen im knallharten Mordgeschehen drehen sich bei all dem traditionellen Hintergrund eher ums Hier und Jetzt. Was nicht ausschließt, dass Saaten vor sehr langer Zeit gelegt wurden ...

Ebendort, wo sich das Paar verlobte, im jetzigen Stadtmuseum, liegt die schöne Leich von 'Heinrich Grün', der gerade den Vortrag "Historische Hoheiten im habsburgischen Haus" halten wollte. Inspektor 'Gustl Brandner' sieht sich einer Leiche gegenüber, die langsam und schmerzvoll hingerichtet wurde.
Die Ermittlungen führen in die Wilderer-Kreise. Alle dort hassen offen den reichen Mäzen, der eben auch riesige Jagdgründe um Bad Ischl herum zusammengekauft hat. Herrlich skizziert Barta die verschlagene Gemeinschaft beim Wirt, nur KuK genannt, der selber Interesse am preiswerten Schwarzfleisch hat. Etwa der 'Sonnleitner', mit seiner Lederhosen-Manufaktur, der Pfarrer höchstselbst, der 'Baumann' mit seinem Kramerladen, der voller Geweihe hängt, und einstiger Uhrenlieferant des Erzherzogs.

Und immer der offene barocke Sex, der süß und schwer in der Luft hängt, sobald ein Dirndl auftaucht, wie etwa vor der Nase des ständig beobachtenden Schneiders.

Der Schauer schnappte gierig den Gucker. Ein einsamer Wagen hielt an der Brücke. Das Dirndl stieg aus. Grüner Leib, lila Schürze. Ein Ausseer! Sie lächelte etwas unkeusch und zupfte sich die Schürze zurecht.

Auch Grün, im hohen Alter gewesen, je oller je doller, war ein Weiberer vor dem Herrn, wie Brandner bald lernen muss: "Er war halt ein Mann [...] Nehmt alles nur in allem", wird Shakespeare zitiert. So auch bei der Ehefrau des aufbrausenden 'Geier': "Kumm her, Dirndl, hat der g'sagt! Tuast halt a bissi nemgeig'n mit mir ..."
Motive häufen sich, aber wirklich eines, das eine dermaßen grausam zugerichtete Leich rechtfertigt? Brandner steht ein bisschen in der Sackgasse. Beinahe ermüdet Bernhard Barta im Mittelteil mit allzu viel Vernehmungen und immer neuen Namen. Das ist freilich die Crux für jeden Krimi. Die sicher schlauchende und routinemäßige reale Polizeiarbeit kann man nicht eins zu eins in ein Buch packen. Eine Balance muss gehalten werden, und die schafft Barta dann zur rechten Zeit mit einem fulminaten Ortswechsel! Zu Grüns Wirkungsstätte München fährt der Brandner. Und trifft auf die verschmitzte Hauptkommissarin 'Mona Milani' zur Wiesn-Zeit:

"Das Dirndlkleid saß perfekt, bis rauf zum Busentuch."

Brandner muss all seine Contenance zusammenreissen, um im sich anbahnenden Liebestaumel noch seine Abenteuer auf der Wiesn und im Stadtteil Hasenbergl - im sauberen München tatsächlich ein Stadtteil, in den sich die Polizei zeitweise nicht reintraute. Wieder daheim geht's dann eher raus aus dem Sumpf der örtlichen Honoratioren, und Bernhard Barta durchleuchtet in einer neuen Dimension düstere Vergangenheiten von "Grün's Geschoßwaren Ges.m.b.H.", Marktführer für Spezialwaffen und Jagdbüchsen. Die Ausdehnung der Fertigung in München. Jetzt wird auch die Bundeswehr beliefert. Und die Welt. Grüns Mitgliedschaft in rechtslastigen Vereinen.

Kunstvoll verwebt Bernhard Barta in "Sissis Gold - Ein Salzkammergut-Krimi" das Überspitzte und Hinterfotzige und das Folkloristische mit dem Durchschuss seiner ernsten Krimihandlung.

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Besprochene Ausgabe: Haymon  |  2014  |  240 Seiten  |  Broschur*  |  € 9,95

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