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 18.05.2012         Ava McCarthy - Passwort Henrietta: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Ava McCarthy - Passwort Henrietta: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Passwort Henrietta

(2009) - Orig.: The Insider (2009), engl.
Ring of Firewall
Ava McCarthy, IT-Sicherheitsexpertin und ehemalige Börsianerin mixt ihr Berufswissen mit ihrem Poker-Wissen zu einem Thriller mit Schweiz-Bashing. Das scheint in. Auch bashen auf „The Insider“, so der Originaltitel.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 09.05.2009

Mit 'Henrietta Martinez', genannt 'Harry', bringt McCarthy eine neuartige Form an Heldin in die Krimi-Welt, die uns nach dem Debüt „Passwort Henrietta“ noch in weiteren Werken begegnen soll. Die Figur ist spanischer Abstammung, durchlebt aber ihre Abenteuer in Dublin. Dort wohnt auch Autorin Ava McCarthy. Harry ist von Berufs wegen Hackerin in einer IT-Firma, bekommt also von Banken oder anderen Firmen den Auftrag, die Netzwerksicherheit zu prüfen. Dies kann mit deren Systemadministration abgesprochen sein - der sog. White-Box-Test - oder nicht: der sog. Black-Box-Test. Ein halbseidenes Business, so will es einem McCarthy weismachen, denn der Hacker kann ins Herz eines Unternehmens vordringen, im Falle einer Bank zu Kontendaten, Trades-Aufzeichnungen, Übernahmeabsichten etc. Und er kann angeblich Hacker-Werkzeuge hinterlassen, mit denen er viel später wieder Zugriff nehmen kann...
Harry's Vater sitzt im Knast. Er war einer der Insider, eines ganzen Betrugs-Rings. Nach aussen der brave Bankier, betrieb er mit dem Ring und einem ausgeklügelten System Insiderhandel an den vom Arbeitgeber überwachten Depots vorbei.

Die Vergangenheit und der damalige Verrat holen seine Tochter ein. Denn die ergaunerten Millionen scheinen noch vorhanden zu sein. Ein klassisches Setting. Harry gerät in einen Strudel aus Einschüchterung und Gewalt.

Der Krimi ist ein Auf-Und-Ab-Lesevergnügen. Das Buch kann nur phasenweise packen. Gut ist die als äußerst ambivalent herausgearbeitete Vater-Tochter-Beziehung. Der Vater spielte gekonnt die Rolle des Charmeurs, der mit einem „Ihr wißt, ich bin wie ich bin, ich kann nicht anders“ immer wieder die Schmerzen relativieren kann, die er seiner Familie zufügt. Einerseits ist er der coole Dad, der Sachen mit seiner Tochter unternimmt, die untypisch sind. Anderseits nimmt er sich heraus, an Weihnachten nicht zuhause zu sein, weil er drei Tage hintereinander Poker spielt. Einmal verpokert er das Haus der Familie. Dann wieder fliegt er mit der dreizehnjährigen Harry nach Las Vegas zu einem Hacker-Treffen, weil er ihr Talent ernst nimmt.
Nett baut McCarthy auch eine latente erotische Spannung zwischen der Single Harry und den Männern, deren Weg sie in der Geschichte streift, auf. Weniger gut gelingt ihr ein sich durchziehender Spannungsaufbau. So wirft sie zum Beispiel viel zu früh einen Zaunpfahl auf den vermutlichen Haupt-Bösewicht.

Bleiben noch ein passabler Einblick ins Hacker-Biz mit Tech-Droppings wie RAT - Remote Access Trojaner -, Zero-Day-Exploit, Social Engineering, Intrusion-Detection und War-Dialer... Aber die Schilderungen der Hacks, mit denen sich Harry ihren Feinden gegenüberstellt, nutzen sich in ihrer Faszination beim zweiten, dritten Durchlauf ab und laden zum Querlesen ein. Hinzu kommt, dass McCarthy mit Sicherheit nicht wirklich relevantes Wissen ihrer Branche - eingangs erwähnt: sie ist selber auch IT-Sicherheitsexpertin - preisgibt. Ein bißchen überbordende Phantasie eines Cyberpunk-Autors hätte gut getan, anstelle eines wohl realistischen aber schnöden Hack-Grundkurses.

Am Puls der Zeit ist sie wohl mit Sätzen wie „Die Leute meinen, Insiderhandel sei ein Verbrechen ohne Opfer, aber dem ist nicht so.“ und steinbrückschem Schweiz-Bashing. Sie zieht letzteres aber weiter und lässt den Leser durch einen recht guten Einblick ins Thema Nummernkonto allgemein ins Grübeln über dessen Sinn und Unsinn geraten.
Letztlich muss man noch mehrmals im Buch die Beschreibungen von Poker-Spielen über sich ergehen lassen und bleibt insgesamt mit dem Gefühl zurück, mit dem Buch kein überzeugendes Blatt gehabt zu haben.

Besprochene Ausgabe: Knaur | 2009 | 480 Seiten | Broschur* | € 14,95


 

 

 

 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
 
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