Der Rezensent war gerade wählen. Bundestagswahl. Das waren ein grauer Stimmzettel, Recycling, vorbildlich, und ein abgenagter Kuli an einer ausgefransten Hanfschnur. Old Style. Und das ist gut so, sagt Andreas Eschbach, deutscher Wissenschaftsthriller-Bestseller-Autor, nämlich gut, dass da kein Wahlcomputer stand. Sein leidenschaftliches Plädoyer, begründet mit hunderten Fußnoten und einem informativen Nachwort, hat er in einen Roman gefasst. Das ist an sich gut, denn seine Argumentationen sind schon überwältigend, und auf diese Weise wird sein Buch um ein Vielfaches öfter über die Ladentische gehen, als wenn er ein kleines Sachbuch zum Thema geschrieben hätte. Doch das ist gleichfalls die Krux an „Ein König für Deutschland“: Um die zusammengefasst etwa hundert Seiten knallharte, fundierte Info herum mutet uns Eschbach 400 Seiten wirklich schlechten Roman zu. Es lohnt nicht, ihn inhaltlich zusammenzufassen. Hier auf sf magazin werden ja gerne absurde Bücher besprochen, auch aus den Bereichen Science Fiction und Wissenschaftsthriller. Aber dieses ist einfach ohne Salz und Schmalz.
Bemüht holt Eschbach die Charakterzeichnungs-Schablonen aus dem Schriftsteller-Werkzeugkästchen. Man merkt ganz deutlich, dass das nicht sein Ding ist, Figuren zu zeichnen. Mit der Hauptfigur, einem US-amerikanischen Computer-Nerd, wird man nicht warm, ebenso wenig wie mit dem deutschen Lehrer 'Simon König', der tatsächlich 2009 zum König von Deutschland werden wird. Gruselig oberlehrerhafte, seitenschinderische Statements muss der Leser denn auch über sich ergehen lassen. Dann kommt noch eine Palette an unsäglichen Cliché-Figuren hinzu: der deutsche Gegenpart des US-Computer-Nerds ist natürlich ein Manga-Mädchen, dann gibt es 'Furry', eine sehr behaarte Leibwächterin und 'Pictures', ihren all-over-tätowierten Kollegen, einen Lilliputaner-Ganoven und den „feingliedrigen“ Mafiosi. Was haben wir gelacht. (Alle Mafiosi, die man in den Nachrichten sieht, sind doch immer fett und schwabbelig, vom Rumsitzen in ihren Erdlöcher-Verstecken.)
Was bleibt? Starke Eingangsseiten, die nochmal den Wahlkrimi vom Jahr 2000 zwischen G. W. Bush und Al Gore skizzieren und es anhand der zitierten Nachrichtenlage aus jener Zeit - Web-Links in den Fußnoten zu wohl immer noch erreichbaren Online-Zeitungsmeldungen - sehr, sehr gut möglich erscheinen lassen, dass Wahlgeräte manipuliert wurden, zu Gunsten G. W. Bush's.
Eschbach kommt ursprünglich aus einem Programmierer-Beruf und gibt sozusagen fast die Anleitungen für die Manipulationen an solchen Geräten, nämlich Manipulationen, die sich selbst bei einer Überprüfung nicht als solche erkennen lassen.
Wir kennen, welchen Unfug man mit den guten, alten Wahlurnen betreiben kann, aus aller Herren Länder. Doch das ist ein ziemlich mühseliges Geschäft und oft von Gewalt begleitet. Eschbach legt dar, wie im Falle von flächendeckend eingesetzten Wahlcomputern wenige Menschen Millionen von Stimmen innerhalb von wenigen Sekunden verändern könnten. Und es sind Sicherheitsexperten, wie etwa die meisten Mitglieder des deutschen CCC (Chaos Computer Club), die in einschlägigen Berufen arbeiten, die inständig auf diese Problematik aufmerksam machen.
Besprochene Ausgabe: Lübbe | 2009 | 491 Seiten | Festeinband* | € 19,99
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
1. Horst Eckert: Schwarzer Schwan (2011)
2. Urban Waite: Schreckensbleich (2011) - Orig.: The Terror of Living (2011), engl.
3. Yassin Musharbash: Radikal (2011)
4. André Meier: Letzte Losung (2011)
5. Sara Paretsky: Hardball (2011) - Orig.: Hardball (2009), engl.
Robert Ludlum, Eric van Lustbader:
Das Bourne Duell
Heyne, Festeinband
Linwood Barclay:
Weil ich euch liebte
Knaur, Broschur
Thomas W. Young:
Freeze - Gefangen im Eis
Piper, Broschur
Elisabetta Bucciarelli:
Ich vergebe dir
btb, Broschur
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