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 17.05.2012         Adam Roberts - Sternensturm: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Adam Roberts - Sternensturm: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Sternensturm

(2007) - Orig.: Polystom (2003), engl.
Im gesellschaftlichen Labyrinth
Roberts' Helden straucheln durch einen tollen Steampunk-Roman, der 2007 durch ein reißerisches Cover und irreleitenden deutschen Titel eher beim falschen Publikum Aufnahme fand.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 09.08.2008

Saint-Exupéry's 'Der kleine Prinz' werden Sie in der Schule geliebt oder gehaßt haben. Auf jeden Fall sind in dem Buch Dinge möglich, die nur im Märchen möglich sind. Und es hat einen unspektakulären, fast lakonischen Erzählfluss. Verträumt und kindlich ist es zugleich.
Einige dieser Attribute treffen eigenartigerweise auf den ausgewachsenen, 440 Seiten starken SF-Roman 'Sternensturm' zu, im Original schlicht 'Polystom', nach dem Namen der tragischen Hauptfigur.

In - fast mag es so anmuten - legendenhaftem, altertümlichem Duktus läßt uns Roberts mit dem jungen Adligen Polystom in dessen Doppeldecker steigen und wir fliegen mit ihm zum Mond, wo er seinen Onkel besuchen wird. Während der Schwerelosigkeitsphase zwischen Planetem und Mond wird er seinen Propeller wechseln, in einen größeren, der mehr von der immer dünner werdenden Luft wegschaufelt. Atemprobleme wird Polystom nie bekommen. Planeten und Monde in seinem kleinen System sind per Luftschiff oder Flugzeug zu erreichen. Sie sind nicht in Vakuum getaucht.

Ja, es ist einiges schief in dieser archaischen Welt, physikalisch wie auch gesellschaftlich. Ausschließlich romantisch bleibt der Roman nicht lange, das dicke Ende dräut sich unaufhörlich zusammen, und wer weiß schon, wo diese Welt wirklich aufhört...

Die Wissenschaft munkelt über „riesige Feuerkugeln, die im Nichts brennen.“ Ein Stern im Vakuum, einem Vakuum, das doch im Labor nur schwierigst herzustellen ist und leicht zerstörbar ist, sprengt fast die Vorstellungskraft. Das ist mal SF andersrum! Eine herrlich verquere Sichtweise.

Eine traurige Liebesgeschichte, wie in vielen guten Büchern dieser Welt, bildet den Aufriss für die Geschehnisse um den alsbald ziemlich auf sich allein gestellten Polystom. Vater und Ziehvater - ja, Homosexualität ist lustigerweise gang und gäbe in einer streng feudalistisch organisierten Gesellschaft - verliert er schnell hintereinander. Naiv und eher dümmlich sucht er oft Rat bei seinem Onkel Kleonikles. Schön wechselt Roberts schlagartig die Erzählperspektive. Erscheint Kleonikles in Polystoms Augen noch als liebenswert schrulliges Onkelchen, wenngleich er ihm mit Respekt angesichts seiner Weisheit und Erfahrung begegnet, wandelt sich der Onkel in seiner Eigensicht in einen zynischen, rationalen, den Menschen gegenüber kalten Charakter, der sich ganz der Wissenschaft verschreibt. Gar möchte man ihm etwas misanthropisches unterstellen.
Entsprechend wird der Duktus kühler in diesem zweiten Teil des dreigeteilten Buches.

Neben dem leicht tumben und impulsiv gestrickten Polystom wird die Person des Onkels immer mysteriöser. Hier geht es um etwas 'Verborgenes', das Buch bekommt einen Krimicharakter hinzu. Bei allem ist die Einfühlsamkeit in die Figuren hoch und die Ruhe des Erzählstils erstaunlich. Umso mehr kann es den Leser an die Wand hauen, wenn in gleichem Stil inhaltlich unfassbar Abgründiges und Barbarisches sich im Fortlauf Weg bahnt.
Mühelos verwebt Roberts Gegenwart und Vergangenheit und gar Vergangenes in dieser Vergangenheit in den Gedankensträngen der Erzähler auf ein und derselben Seite.

Himmelswale sind noch das letzte romantische Steampunk-Element, bevor sich Polystom aufmachen muß zur 'Schlammwelt', um den Boden der Tatsachen, sich selbst, einen riesigen Rechner und einige Geister der Vergangenheit zu finden...

Besprochene Ausgabe: Heyne | 2007


 

 

 

 
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