Adam Haslett - Union Atlantic Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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Adam Haslett Union Atlantic

Adam Haslett - Union Atlantic (2009) - Orig.: Union Atlantic (2010), engl.

Der Finanzkrisenreiter
Vorschusslorbeeren bitte absetzen: Gehypt als DER Roman zur Krise, ist die Themenpalette von „Union Atlantic“ schmächtiger als die von fünf Minuten Lindenstraße und sein Kernelement zu den Banken ist für den Nicht-Ökonomen unlesbar. Falls das ein Stilmittel sein soll, eine Metapher gar, ist das gründlich gescheitert.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 10.11.2009
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Was hätte es für reale Vorbilder gegeben, die, abgewandelt als literarische Figuren hätten herhalten können! Der Choleriker Dick Fuld etwa, der letzte Chef von Lehman Brothers, genannt „The Gorrilla“, der bei Versammlungen fast das Rednerpult zerfetzte in einer Darbietung, schwankend zwischen Lord Darth Vader und Luke Skywalker. Oder sein Erzrivale, der damalige US-amerikanische Finanzminister Henry Paulson, ehemals Chef von Goldman Sachs. Es war ihr Laserschwertgefecht, das den seit Jahren aufgestauten Damm zum brechen brachte, ein Exempel, das notwendig war, wie viele meinen.

In Adam Haslett 's „Union Atlantic“ zieht ein Banker aufs Land in der Nähe Bostons, in eine gesichtslose neue Villa, streitet mit einer langweiligen, alten, moralisierenden, ehemaligen Geschichtslehrerin, die sich über die für das Grundstück gefällten Bäume aufregt, der Banker hat was mit einem Jungen aus der Nachbarschaft, die Alte hat zwei noch langweiligere Hunde - die auch sprechen -, der für das Asien-Geschäft zuständige Protegé des Bankers baut große Scheiße... Jetzt müsste der berühmte Rezensentensatz „Wir wollen nicht zuviel verraten“ kommen, aber es ist schon alles verraten. Wenn der Leser es schafft, sich durch Prolog - eine öde Kriegsszene, aus einem Realfall und B-Movie-Elementen zusammengeschustert, ja, auch mit diversen Irakkriegen versucht Haslett dem Roman eine zusätzliche Klammer zu geben - und die ersten hundert Seiten zu boxen, ist ihm schon mal Respekt zu zollen. Man kann es nicht anders erklären, als dass Adam Haslett tatsächlich versucht, seine fast ersten hundert Seiten mit Finanz-Kauderwelsch vollzuklatschen, um eine Metapher zu erzeugen: Unverständnis beim Leser = Unverständnis der „Banker“ über das, was sie die letzten Jahre selber getan haben. Als Nicht-Ökonom kann man nicht mal beurteilen, ob das schlüssig ist, was er da schreibt, oder ob er es sich selber nur aus The Economist zusammengeklaubt hat. Möglich scheint es, denn es liest sich langweiliger und trockener als ein Zeitungsartikel jemals sein könnte! Das kann nicht wahr sein, für einen Roman.

Über die Figuren gibt es leider ebenso nichts Positiveres zu berichten. Fahl, farblos, aus dem Baukasten zusammengesetzt, sind so die Assoziationen. In einer Folge „Lindenstraße“, nennen wir es das letzte deutsche Real-TV, können eine Unzahl aktueller Themen behandelt werden. Es funktioniert. Adam Haslett dagegen packt eine Prise fast aller originär US-amerikanischen politischen und gesellschaftspolitischen Themen zwischen 400 Seiten. Warum? Weil er keine eigentliche, gute Kerngeschichte erzählt. So muss er Tand um das Wenige herumbauen. Drogen- und Gewaltproblematik, Negativer Rassismus, Positiver Rassismus, eine verquaste Ostküstensicht auf Homosexualität, die Mutter des Bankers als Alkoholikerin ...

Nach unglaublichen Erkenntnissen, wie in der Szene zwischen dem Banker, immerhin Vizechef, und einer hohen Angestellten - „[...] ich glaube, die Bank würde mehr verdienen, wenn Sie aufstiegen. Und dazu sind wir schließlich da. Sie haben doch hoffentlich keine romantischen Vorstellungen von unseren Zielen?“
- „Ich bin nicht naiv“, sagte sie, „falls Sie das meinen.“ - bricht sich nach der Hälfte des Buches noch eine leichte Dramaturgie Bahn, doch verschwindet ebenso schnell wieder im letzten Viertel und verwandelt sich in eine unsägliche moralische Litanei - aber litaneihaft war das Buch auch bis hierhin schon. Am Ende tun einem die Trader leid, was aber wohl nicht Absicht Haslett 's war.

Vielleicht mag es der erste Roman zur Finanzkrise sein - sicher wird es der lahmste bleiben.

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Besprochene Ausgabe: Rowohlt | 2009 | 400 Seiten | Festeinband* | € 19,90
 
* Festeinband: harte Buchdeckel
  / Broschur: weiche Buchdeckel

 
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