21.11.2017   Rezension, Buchbesprechung, Buchkritik   Literatur, Buch, Kritik         Adam Christopher - The Burning Dark - Spider War (Volume 1 of 3): Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Adam Christopher - The Burning Dark - Spider War (Volume 1 of 3): Buch Kritik Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur
 

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The Burning Dark - Spider War (Volume 1 of 3) (2014), engl. (zu dt. noch nicht erschienen)
Wohin geht die Seele?
Im klassischen Szenario der abgeschiedenen Raumstation geht der Neuseeländer Adam Christopher letzten Fragen nach. Metaphysik verpackt im Unheimlichen, Unerklärlichen, letztlich im Mantel des Gespensterromans.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 21.06.2014
Adam Christopher - The Burning Dark - Spider War (Volume 1 of 3)
Zoom Adam Christopher - The Burning Dark - Spider War (Volume 1 of 3)

Hauptmann 'Abraham Idaho Cleveland', kurz Ida, spielt in seiner Einsamkeit am selbstgebastelten "Space Radio" und empfängt aus dem Subraum die letzten Funkfetzen einer Astronautin an ihre Bodenstation, kurz bevor sie in ihrem Raumschiff verglüht. Die Nachricht ist tausend Jahre alt und es ist der herzzerreißendste Erzählstrang in "The Burning Dark". Sie war die erste Frau im Weltraum, eine Kosmonautin, und ihre Mission wurde in den Geschichtsbüchern gestrichen. Sie durfte nicht stattgefunden haben. Doch was unterscheidet den lebendigen Menschen von der Erinnerung an ihn?, fragt schon Stanislaw Lem im Klassiker "Solaris". Auch Captain Ida's letzte heldenhafte Aktion, bei der er allerdings geliebte Menschen opfern musste, ist plötzlich aus den Flotten-Annalen getilgt. So wie bei manch anderen von Schuld geplagten Insassen einer Raumstation beim entlegenen Stern "Shadow".

Außer "Shadow" wird nichts strahlen in diesem Zukunftsroman: nur langsam und durch die Hintertür wird der Leser Sympathie für den linkischen und sozial ungeschickten Captain aufbringen, geschweige denn für die "Space Apes", wie er die raufboldigen Marines nennt. Der kaum Vierzigjährige soll vor seiner Frühverrentung noch eine letzte Aufgabe übernehmen: die Bestätigung der Abwrackung der sowieso schon halb demontierten Station. Niemand ist von seiner Anwesenheit begeistert.

Stern "Shadow" tut sein Übriges: Seine eigentümlichen Interferenzen lassen Sensoren und Technik verrückt spielen. Er taucht sein System eher in Schatten als in Licht, die Crew ist bei Aussenarbeiten in dunkles Violett und waberndes Schwarz gehüllt. Sie ist heimgesucht von Schatten in den verlassenen Korridoren, oder vielmehr schemenhaften Nuancen von sowieso Schwarzem. Stimmen kommen bisweilen nicht aus dem Headset ...
Captain Ida haust in einer Kabine am hintersten Ende eines Wartungsschachts, jenseits des Schotts beginnt schon das Vakuum des Alls, wo Abwrack-Drohnen nur nackte Verstrebungen bei der Demontage übriggelassen haben. Zwischen flackernder oder gänzlich versagender Beleuchtung, Aussetzern in der Luftbefeuchtung, die wie ein Messer auf der Nasenschleimhaut wirken, Temperaturabfällen und nicht zuletzt Türfehlfunktionen gedeiht die Paranoia herrlich ...

Im Repetitiven des Stationsalltags, in den immer öfter kleine Irritationen treten, erzeugt Adam Christopher ein unbehagliches Ansteigen des Unwohlseins bei seinen Schützlingen und ein wohliges Gruseln beim Leser. Sich sichtbar und hörbar manifestierende Erinnerungen an tote einst Nahestehende bahnen sich Raum. Wo kommen sie her? Was wollen sie?

The sound of subspace was the angry roar of nothing that resonated between space.

Die schönste Idee Adam Christopher 's ist das Space Radio, das über den Subraum funktioniert: Ein Haufen Verrückter, durch die Galaxie verstreut, quasselt ohne Zeitverzögerung wie in guten alten irdischen Langwellentagen, doch leider, leider, lauert auch Schlimmeres im subspace, auch als Hell Space verpönt ... Doch vielleicht auch Gutes. Denn wohin geht die Seele, wenn der Mensch seinen letzten elektromagnetischen Impuls aus dem Hirn bläst? Bleibt ein Echo in einer fremden Dimension, ein Stempel der Persönlichkeit, "imprinted on the fabric of that bizarre dimension"? Auf der Raumstation versichert man sich lange innerlich, "es gibt keine Geister", um wenige Tage später das gegenseitig geäußerte "Ich hab sie gesehen" als ganz normal zu empfinden.

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Besprochene Ausgabe: Titan Books  |  2014

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