Eine transatlantische Tragödie
Vollbart, Plateauschuhe und falscher Name: So getarnt tritt im Dezember 1977 einer der prominentesten Filmregisseure der USA seine dreimonatige Haftstrafe an. Verführung einer Minderjährigen lautet der Vorwurf. Als Remo Woodehouse verbringt der Delinquent nun eintönige Tage im kalifornischen Gefängnis Choreo. Eine Abwechslung bietet die Arbeit im Putztrupp, dem er zusammen mit Scott Maddox zugeteilt ist, einem zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilten Mithäftling – wegen Mordes, sagen die einen, aus politischen Gründen, behauptet Maddox.
Vorsichtig gehen die zwei Männer zunächst miteinander um, sind wachsam, geben nur zögernd Details aus ihrem Leben preis:
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daß Maddox’ Gesicht durch einen Brandanschlag entstellt wurde. Daß Woodehouse seine junge Frau vor acht Jahren auf tragische Weise verloren hat. Mehr und mehr werden ihre Gespräche zum Schlagabtausch, zum Duell. Denn in beiden keimt der Verdacht, daß der jeweils andere nicht der ist, der er zu sein vorgibt. Und daß beide ein Ereignis aus der Vergangenheit verbindet, das sie nicht mehr loslassen wird.
Die Konfrontation zweier Männer, wie sie dramatischer nicht sein könnte, beide verstrickt in einen der aufsehenerregendsten Mordfälle im Amerika des 20. Jahrhunderts. Mit funkensprühender Sprachgewalt lotet der große niederländische Autor A. F. Th. van der Heijden das Ausmaß dieser »transatlantischen Tragödie« aus. Das macht Das Scherbengericht zu einer atemberaubenden Lektüre.
Nach einjährigem Herumjobben begann er ein Psychologiestudium an der Katholischen Universität Nijmegen, wechselte allerdings schnell zur Philosophie. Im Anschluß an die Zwischenprüfung zog van der Heijden nach Amsterdam, um dort Ästhetik zu studieren, beendete sein Studium allerdings nicht; er hatte sich entschlossen, Schriftsteller zu werden.
Im Juni 1978 erschien in der Literaturzeitschrift De Revisor die Erzählung Bruno Tirlantino oder die Hochzeit der Prinzessin Ann. Hier verwendete van der Heijden noch das Pseudonym Patrizio Canaponi. Für seinen Erzählungsband Eine Gondel in der Herrengracht (Een gondel in de Herengracht) erhielt er im gleichen Jahr den niederländischen Literaturpreis für den besten Erstling; 1979 erschien, ebenfalls unter dem Pseudonym Canaponi, der Roman Die Drehtür (De Draaideur).
Bis 1990 verbrachte van der Heijden jeweils eine Hälfte des Jahres in Italien, häufig auf der Isola Maggiore, einer kleinen Insel im Trasimenischen See; die andere Hälfte wohnte er in einem besetzten Haus im Amsterdamer Stadtviertel De Pijp.
Seit Anfang der achtziger Jahre bis in die Mitte der neunziger Jahre arbeitete er an dem Zyklus De tandeloze tijd (Die zahnlose Zeit), dessen einzelne Teile er unter seinem Namen veröffentlichte. Um ungestört schreiben zu können, mietete er sich zeitweise in eine Zelle des ehemaligen Amsterdamer Untersuchungsgefängnisses am Amstelveenseweg ein.
A.F.Th. van der Heijden gilt als überragender Erzähler, als "der wohl sprachmächtigste Dichter, den die Niederlande augenblicklich besitzen, der mit Sicherheit sinnlichste, der nun seit fast zwanzig Jahren stampfend, dampfend den Weg vom Himmel durch die Welt der Kloake ausmistet und ausmißt, ein Saft- und Kraftgenie, wie Holland es seit dem Barock nicht mehr hatte" (Der Tagesspiegel).
1997 wurde ihm der alljährlich verliehene Generale-Bank-Literatur-Preis für den Band Unterm Pflaster der Sumpf zuerkannt. Dieses Buch ist der dritte Band des Zyklus Die zahnlose Zeit.
Im Mai 2003 liegt der Zyklus Die zahnlose Zeit, in der viel gelobten Übersetzung von Helga von Beuningen, komplett vor.
Im Februar 2003 ist der Prologband Movo Tapes zu dem neuen Zyklus Homo duplex in den Niederlanden erschienen.
Martin Amis:
Die schwangere Witwe
Hanser, Festeinband
Shumeet Baluja:
Silicon Jungle
suhrkamp nova, Broschur
Moti Kfir, Ram Oren:
Sylvia Rafael. Mossad Agentin
Arche, Festeinband
Martin Amis:
1999
Rowohlt, Festeinband
Sorj Chalandon:
Die Legende unserer Väter
dtv premium, Broschur
Douglas Coupland:
Eleanor Rigby
Hoffmann und Campe, Festeinband
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