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- Krampus

(2013) - Orig.: Krampus - The Yule Lord (2012), engl.
Echte Kinder stehn auf Krampus statt auf heiligen Schnösel
Das Christentum degradierte den einstigen Herrn des Julfests zum Diener des Weihnachtsmannes. Brom holt Krampus zurück in seinem Mix aus Realwelt- und Fantasy-Roman. Der schwört Rache am Nikolaus und so ist ihr blutiger Kampf kein Kinderbuch.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 03.12.2013
 Brom - Krampus
Zoom  Brom - Krampus

Brom, der Autor, der sich selbst nur mit seinem Nachnamen benennt, begegnet liebevoll seinen Figuren aus dem realen US-amerikanischen Prekariat. Vielleicht will er uns einlullen in einen Romantizismus, der sich gerade beim Leser in Old Europe auftut, liest er von Trailer-Homes, Pickups, aufgebockt und vor sich hin rostend, oder gerade noch fahrtüchtig und ausgestattet mit dem obligatorischen Gewehrhalter, von Nachbarschaft quer durch alle Altersgruppen, die sich noch beinfest gegenseitig aus der Patsche hilft, von Alkohol und anderen Drogen, die eben einfach zur Hood dazugehören ...
Natürlich ist das Gegenteil der Fall. Und das zeigt er uns genau auch mit dem Thema Weihnachten. Gelegenheitsmusiker 'Jesse' kommt gerade nach Hause und fährt vorbei am weihnachtlichen Plastikkitsch, vorzugsweise Rentiere, und den bunten Beleuchtungen der Trailerpark-Bewohner, die sich den Strom leisten können. Doch ihm graut vor seiner Mini-Behausung und noch mehr vor dem bevorstehenden Fest, hat er doch immer noch kein Geld für die angesagte Anzieh-Puppe, die sich seine bei der Mutter lebende Tochter gewünscht hat. Der Barbesitzer, für den er gerade einen lauen Auftritt mit Akustikgitarre absolviert hat, konnte Jesse erstmal nur mit einer Flasche Whiskey entlohnen. Ein weiterer Gedanke reift: "Ein Mann, der Weihnachten allein verbringt, ist wirklich mutterseelenallein." Weihnachten, so scheint Jesse zu dämmern, ist das Fest der gut funktionierenden Familie. Alle andern bitte außen vor bleiben!

So weit, so einfühlsam. Gut könnte man sich vorstellen, Brom würde seine Story um Jesse, seine Ex-Frau, seine Tochter, um die skurrile Trailerparkbande, um die örtlichen Gangsterclans und die korrupte Polizei einfach in der Realwelt belassen. Doch Broms Markenzeichen ist, dass das fantastische Element einschlägt wie eine Bombe. Oder hier eher plötzlich ein leibhaftiges Rudel wilder Belznickel (der interessierte Leser wird diese sehr deutschen Gestalten dann in Broms informativem Anhang nachschlagen ...), das Santa Claus ans Leder will und seinen Schlittenstart fast zur Katastrophe werden lässt. Im Kampf geht jedenfalls der große Sack verloren, der ausgerechnet das Dach von Jesses Wohnwagen durchschlägt. Beim Reingreifen in den Sack versteht Jesse schnell dessen Prinzip: Man holt heraus, an was man gerade feste denkt; zum Beispiel, die angesagte teure Anzieh-Puppe ... Doch auch für Krampus, den Nikolaus einst in eine Höhle eingekerkert hat, hat der Sack unschätzbaren Wert. Und schon ist Jesse mittendrin im Zweikampf der mythologischen Widersacher.

Als Autor Brom zum ersten Mal von einem gehörnten Ungeheuer hört, das ungezogene Kinder zur Weihnachtszeit in einen Sack steckt, sie blutig schlägt, richtig böse Kinder in den Fluss wirft und einige sogar mit nach Hause nimmt, um sie zu fressen, ist er wie gebannt. Er recherchiert über die Krampusnacht in den Alpendörfern, wo die Teilnehmer in schaurigen Kostüme Krach machend zufällige Opfer mit Ruten und Stöcken vor sich her treiben. Brom forscht nach den Ursprüngen der beiden Figuren Weihnachtsmann und Krampus. Der zivilisierte und wohltätige Weihnachtsmann ist jüngeren Ursprungs. Krampus hingegen reicht auf die germanischen Winterfeste zurück und in seiner ersten Ausformung auf den Julbock, daher noch die Hörner der Bestie. Krampus steht für den Jahreswechsel und als Gegenleistung für den ihm gezollten Tribut soll er im nächsten Jahr für eine reiche Ernte sorgen. Zwar stellte man ihn sich hässlich vor, damit er die Kinder erschrecken kann und für die Einhaltung der Julbräuche sorgt, in die Rolle eines teuflischen Wesens wird er jedoch - man ahnt es schon - erst vom aufkommenden Christentum gedrängt.
Die Eruierung der Geschichte des Weihnachtsmannes gestaltet sich laut Brom komplizierter. Jedenfalls tritt der christianisierte Krampus ab dem 15. Jahrhundert als Weihnachtsteufel und Diener des heiligen Nikolaus auf. Klar ist das ärgerlich für den Krampus und dies dachte sich auch Brom und musste zwingend Krampus rächen, mit seinem neuen Roman ...

"Ich, Krampus, Herr der Julzeit, Sohn der Hel, aus dem Geschlecht des großen Loki, schwöre hiermit, dass ich dir die Lügenzunge aus dem Mund schneiden werde, ebenso die Diebeshände von den Armen und den feisten Kopf vom Hals."

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Besprochene Ausgabe: Knaur  |  2013  |  504 Seiten  |  Festeinband*  |  € 19,99

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